Agha, M., J. R. Ennen, A. J. Nowakowski, J. E. Lovich, S. C. Sweat & B. D. Todd (2018): Macroecological patterns of sexual size dimorphism in turtles of the world. – Journal of Evolutionary Biology 31: 336-345; DOI: 10.1111/jeb.13223.

Das makroökologische Muster der Geschlechtsgrößenunterschiede bei den Schildkröten der Welt.

Geschlechtsgrößenunterschiede (SSD) sind ein gut dokumentiertes Phänomen, sowohl bei Pflanzen wie auch bei Tieren, allerdings deren ökologische und evolutionären Mechanismen die zu deren Auftreten und Aufrechterhaltung sowohl global geographisch wie auch regional beitragen sind nur unzureichend bekannt, wobei letzteres insbesondere für die Reptilien zutrifft. Unser Ziel war es die geographischen Unterschiede der SSD bei den Schildkröten zu analysieren und die damit in Zusammenhang stehenden ökologischen Parameter und Umweltfaktoren anhand von phylogenetisch-vergleichenden Methoden zu korrelieren. Wir nutzten dazu publizierte Körpergrößenangaben für 135 Arten aus neun Schildkrötenfamilien um herauszufinden wie deren geographische Verteilung und die Evolution der SSD von der Habitatspezialisierung, dem Klima (jährliche Durchschnittstemperatur und Regenmenge) und deren Schwankungen, dem Breitengrad oder durch eine Kombination aus diesen Faktoren beeinflusst wird. Wir fanden, dass die geographischen Unterschiede und die Größe und Richtung der Schildkröten-SSD am besten durch die Habitatbedingungen (Anpassung) erklärt werden ebenso tragen dazu die jährliche Temperatur und die Regenmenge bei. Die Besiedlung von semi-aquatischen und Landlebensräumen ging einher mit einer Größenzunahme zugunsten der Männchen während die Besiedlung rein aquatischer Habitate mit einer von Weibchen dominierten SSD einherging. Unsere Ergebnisse lassen zudem vermuten, dass eine größere Schwankung der Temperatur mit einer Zunahme der Körpergröße bei den Weibchen assoziiert ist. Im Gegensatz dazu sind feuchtere Umweltbedingungen mit einem Größerwerden der Männchen assoziiert während trockenere Umweltbedingungen mit dem Größerwerden der Weibchen einhergehen. Wir zeigen auch, dass es einen globalen breitengradabhängigen Trend gibt, wobei die Weibchen in den mehr polwärts gelegenen Regionen größer werden was sich insbesondere bei den Familien der Emydidae und Geoemydidae abzeichnet. Die Abschätzungen der phylogenetischen Parameter für den SSD, wie auch für den Habitattyp deuten an, dass nahe verwandte Arten vergleichbare Habitate besiedeln und eine vergleichbare Richtung und Ausmaß in Bezug auf die SSD zeigen. Diese globalen Muster der SSD könnten daher durch geschlechtsspezifische Anpassungen im Reproduktionsverhalten, der Fekundität und geschlechtsspezifischen Anpassungen an Umweltfaktoren bedingt sein die sich je nach Habitattyp unterscheiden und die in einer systematischen Weise vom Breitengrad mit beeinflusst werden. Somit liefert diese Studie Angaben für unser derzeitiges Verständnis der SSD aus dem hervorgeht, dass die SSD innerhalb phylogenetischer Voraussetzungen dramatisch variieren kann und zwar zwischen und innerhalb der verschiedenen Schildkrötenarten wobei die SSD durch den Habitattyp, dem Klima und der geographischen Lage bedingt und in ihrem Ausmaß aufrechterhalten wird.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Nun kann man es zwar gut finden, die mehr oder weniger globalen Zusammenhänge für geschlechtsspezifische Größenunterschiede zu verstehen, aber ich denke da spielen auch noch physiologische Faktoren eine Rolle. Nach allem Literaturstudium kann ich für die Praxis nur hervorheben, dass es wohl unbestritten ist, dass der Habitattyp und die Umweltfaktoren die größte Rolle dabei spielen, denn sonst wären solche Erkenntnisse wie die von Snover et al. (2015) und Wolak et al. (2010) nicht erklärbar.

Literatur

Snover, M. L., M. J. Adams, D. Ashton, J. B. Bettaso & H. H. Welsh Jr. (2015): Evidence of counter-gradient growth in western pond turtles (Actinemys marmorata) across thermal gradients. – Freshwater Biology, 60: 1944–1963 oder Abstract-Archiv.

Wolak, M. E., G. W. Gilchrist, V. A. Ruzicka, D. M. Nally & R. M. Chambers (2010): A Contemporary, Sex-Limited Change in Body Size of an Estuarine Turtle in Response to Commercial Fishing – Conservation Biology 24: 1268–1277 oder Abstract-Archiv.

Seitenanfang