Agha M., J. E. Lovich, J. R. Ennen, B. Augustine, T. R. Arundel, M. O. Murphy, K. Meyer-Wilkins, C. Bjurlin, D. Delaney, J. Briggs, M. Austin, S. V. Madrak & S. J. Price (2015) Turbines and Terrestrial Vertebrates: Variation in Tortoise Survivorship between a Wind Energy Facility and an Adjacent Undisturbed Wildland Area in the Desert Southwest (USA). – Environmental Management; DOI 10.1007/s00267-015-0498-9.

Windkraftanlagen und terrestrische Wirbeltiere: Unterschiede in Bezug auf die Überlebensrate für eine Windenergieanlage und dem angrenzenden unberührten Wildland in der Wüste im Südwesten der USA.

Mit der kürzlich erfolgten Zunahme der Windenergie wurden Wissenschaftler zunehmend besorgter darüber wie sich diese Aktivitäten auf die Wildtiere und ihre Habitate auswirken. Um die potentielle Beeinflussung der Wildtiere durch die Windenergieanlagen (WEF) nach ihrer Inbetriebnahme (z. B., während des Betriebs und der Wartungsarbeiten) zu untersuchen verglichen wir die Unterschiede in den Aktivitätszentren und die Überlebensraten für Agassiz's Wüstenschildkröte (Gopherus agassizii) innerhalb oder nahe zur WEF mit jenen der benachbarten Landschildkröten die in einer natürlichen Region (NWA) und mit jenen die noch weiter weg von der WEF lebten. Wir fanden, dass sich die Aktivitätszentren der Schildkröten unterschieden aber diese Unterschiede waren nicht signifikant: In der WEF (6.25 ± 2.13 ha) und benachbart im NWA (4.13 ± 1.23 ha). Allerdings gab es bei den Überlebensraten signifikante Unterschiede zwischen den Habitaten: Während dieser 18 Jahre andauernden Untersuchungsperiode lagen die offensichtlichen jährlichen Überlebensabschätzungen bei 0.96 ± 0.01 für die WEF–Schildkröten und bei 0.92 ± 0.02 für die Schildkröten in der NWA. Die hohen jährlichen Überlebensraten zeigten, dass der Betrieb und die Wartungsarbeiten bei der WEF zu keinen erheblichen Rückgängen bei der Adultpopulation während der vergangenen 2 Jahrzehnte geführt hatte. Das niedrige Verkehrsaufkommen sorgte für einen Anstieg bei den zur Verfügung stehenden Ressourcen und es verringerte die Beutegreiferpopulationen beides könnte sich positiv auf die jährliche Überlebensrate in der WEF ausgewirkt haben. Weitere Untersuchungen in Bezug auf diese möglichen Mechanismen und zum Populationszuwachs durch Jungtiere könnten helfen um den langfristigen Einfluss und das Management der Wartungsarbeiten bei solchen Anlagen für langlebige Landwirbeltiere zu verstehen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Die Studie zeigt, dass nicht alle Eingriffe in die Landschaft für alle Spezies Nachteile haben müssen. Allerdings gefällt mir der letzte Satz des Abstracts nicht so ganz, weil Schildkröten und vielleicht Reptilien allgemein einen Sonderfall darstellen. Windkraftanlagen sind nachgewiesenermaßen weltweit für die Vogelwelt wesentlich negativer zu beurteilen und wahrscheinlich sind die höheren Überlebensraten innerhalb der Windkraftanlage für Schildkröten auch dadurch zu erklären, dass Beutegreifer wie Krähenvögel und Bussarde hier keine guten Lebensbedingungen finden und damit die Schlüpflinge weit weniger dezimieren dürften. Zudem sorgen die Fahrwege zu den Windrädern dafür das auch fremde Kräuter eingeschleppt werden die an den Wegrändern keimen und so für zusätzliches Futter sorgen (siehe dazu: Hazard et al., 2009, Jennings, W. B. & K. H. Berry, 2015).

Literatur

Hazard, L. C., D. R. Shemanski & K. A. Nagy (2009): Nutritional Quality of Natural Foods of juvenile Desert Tortoises (Gopherus agassizii): Energy, Nitrogen, and Fiber Digestibility. – Journal of Herpetology 43 (1): 38-48 oder Abstract-Archiv.

Jennings W.B. & K. H. Berry (2015) Desert Tortoises (Gopherus agassizii) Are Selective Herbivores that Track the Flowering Phenology of Their Preferred Food Plants. – PLoS One 10(1): e0116716 oder Abstract-Archiv.

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