Acierno, M. J., M. A. Mitchell, M. K. Roundtree & T. T. Zachariah (2006): Effects of ultraviolet radiation on 25-hydroxyvitamin D-3 synthesis in red-eared slider turtles (Trachemys scripta elegans). – American Journal of Veterinary Research 67 (12): 2046-2049.

Effekte von UV-Strahlung auf die 25-Hydroxyvitamin D3-Synthese bei Rotwangen-Schmuckschildkröten (Trachemys scripta elegans)

Ziel war es nachzuweisen, ob die Konzentration von 25-Hydroxyvitamin D3 im Blut von Rotwangen-Schmuckschildkröten nach UV-Bestrahlung zunimmt. Dazu wurden 12 einjährige Schildkröten kurz nach einer Aestivationsphase untersucht.
Die Schildkröten wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen von je sechs Tieren unterteilt. Es wurde dann eine initiale Blutprobe genommen, um die Ausgangskonzentration von 25-Hydroxyvitamin D3 zu bestimmen. Die Schildkröten der einen Gruppe wurden mit normalen Lampen bestrahlt, während die zweite Gruppe mit einer Vollspektrumkolbenleuchte aus 22,86 cm Abstand bestrahlt wurde Die Menge der UVA- und UVB-Strahlung der jeweiligen Lichtquellen wurde in wöchentlichen Abständen mit einem Radiometer-Photometer bestimmt. Die Messdaten, die in 2,54 und 22.86 cm von der Birnenoberfläche entfernt gemessen wurden, wurden gesammelt. Die Dauer der Studie betrug vier Wochen. Am Ende der Studie wurde den Schildkröten eine zweite Blutprobe entnommen, um abermals den 25-Hydroxyvitamin D3-Gehalt zu bestimmen. Die Ergebnisse zeigten, dass sich die gemittelten (+/- S.D. Standardabweichung) Konzentrationen signifikant für beide Gruppen an Schildkröten unterschieden, wobei die Gruppe, die unter UV-Bestrahlung gehalten worden war, 71,7 +/- 46,9 nmol/L enthielten, während die Tiere, die bei normaler Beleuchtung ohne UV-Anteil gehalten wurden, nur 31,4 +/- 13,2 nmol/L aufwiesen.
Als Schlussfolgerung und klinischer Sicht gehören zu einer artgerechten Haltung und Aufzucht von Rotwangen-Schmuckschildkröten das Angebot von ungefiltertem UV-B (Sonnenstrahlung) oder die Bereitstellung einer entsprechenden künstlichen UV-B-Bestrahlung.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine kurze, klare Arbeit, die ich möchte fast sagen, erstmals klar zeigt, dass Schildkröten UV-B-Strahlung brauchen und zur Vitamin-D-Synthese nutzen. Ebenso liefert die Arbeit erste Daten dafür, in welcher Größenordnung sich die 25-Hydroxyvitamin D3-Blutspiegel unter bestimmten Bestrahlungsbedingungen bewegen (Das war bisher nur für einige Echsenarten bekannt). Insofern eine eindeutige Sache, die wesentlich weiter hilft als die hierzulande oftmals von Veterinären geführten Diskussionen. Da sollte man sich lieber die englischen (s. Eatwell 2005 oder Schildkröten im Fokus 1/2006) oder amerikanischen Kollegen zum Vorbild nehmen und einmal messen, damit man zu diagnostisch brauchbaren Daten kommt. Allerdings sind auch die hier vorgestellten Daten keine Originaldaten aus dem natürlichen Ursprungshabitat der Schildkröten, genau wie die Daten die Eatwell in Südengland unter den dortigen Haltungsbedingungen erhoben hat. Warum sorgt niemand dafür, auch einmal solche Daten in den natürlichen Biotopen der Tiere zu erheben bzw. Blutproben zu sammeln, in denen solche Werte später gemessen werden können? Dazu muss man aber ganz klar auch die Herpetologischen Gesellschaften und Verbände ermuntern, denn Projekte zur genetischen Struktur bzw. Exkursionen zur Entdeckung möglicher neuer Arten (Sammelreisen für Taxonomen) werden doch auch gefördert. Warum nicht auch ökophysiologische Studien, die wirklich für die artgerechte Haltung wesentliche Informationen liefern können, die der großen Mehrheit der reptilienhaltenden Beitragszahler direkt bei der Umsetzung artgerechter Haltungs- und Zuchtbedingungen weiterhelfen? (Ich gehe einfach mal davon aus, dass die Mehrheit der terraristisch interessierten Mitglieder solcher Verbände weniger neue Arten für ihre Bestände brauchen, aber durchaus dankbar wären, wenn sie konkrete Informationen zur Haltungs- und Zuchtverbesserung der schon vorhanden Spezies bekommen könnten). Diesbezüglich gäbe es sogar die Möglichkeiten, selbst aktiv zu werden und förderungswürdige Fragestellungen im Interesse der Mitgliedermehrheit zu formulieren und auszuschreiben. Notfalls sogar mit extra dafür eingeworbenen Spendenmitteln zu fördern. (Die deutsche Multiplesklerosegesellschaft schreibt ja auch eigene Projekte und Fragestellungen aus, um deren wissenschaftliche Abklärung sich dann Wissenschaftler bewerben können). In diesem Sinne wäre „Aktivwerden“ und Mitgestalten vielleicht sogar effektiver, weil man nicht warten muss, bis zufällig mal ein Wissenschaftler selbst auf die Idee kommt und um Unterstützung für die eine oder andere Fragestellung bittet. Zudem würde man auch als Gesellschaft der Wissenschaft gegenüber seine Erwartungen akzentuieren und deutlich machen, wo Forschungsbedarf besteht. Letztendlich trägt man auch dem Tierschutz Rechnung, denn alles, was einer Verbesserung der Haltungsbedingungen dient, dient auch dem Tierschutz und hilft Haltungsfehler, Krankheit und vielleicht sogar Qualen zu vermeiden.

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