Walton, S., M. Hofmeyr & G. van der Horst (2013): Accurate automated quantitative imaging of tortoise erythrocytes using the nis image analysis system. – Biotechnic and Histochemistry 88(5): 242-249.

Akkurates automatisiertes quantitatives Imaging von Landschildkröten-Erythrozyten mit dem NIS-Image Analysesystem.

DOI: 10.3109/10520295.2013.765594 ➚

Die Standardmethode zur Charakterisierung von Blutzellen mit dem Okularmikrometer ist zeitaufwendig und begrenzt. Wir verwendeten die Nikon NIS Elementen-Imaging Software und die May-Grünwald-Giemsa-Färbung zum Nachweis, ob eine automatisierte Imageanalyse zur schnellen zuverlässigen morhometrischen Charakterisierung von Erythrozyten eingesetzt werden kann. Die Blutproben wurden während der vier Jahreszeiten bei 126 Geometrischen Landschildkröten abgenommen, und die Blutausstriche wurden in Bezug auf zelluläre (C) und nukleäre (N) Charakteristika der Erythrozyten untersucht. Wir vermaßen die Fläche, Länge (L), Breite (W), den Perimeter, die Elongation und die Pixelierungsintensität und kalkulierten daraus die L/W und N/C Arealquotienten. Die Erythrozytengröße unterschied sich zwischen den Gruppen, wobei das größere Geschlecht, die Weibchen, die kleinsten Erythrozyten aufwiesen die kleiner als bei Männchen und Jungtieren waren. Die Erythrozyten der Männchen waren elongierter als die der Weibchen, und jene der adulten Schildkröten waren elongierter als jene der Juvenilen. Die Erythrozytengröße und Form beeinflusst deren Effizienz beim Gasaustausch, was auf die Oberflächen-Volumen Relation zurückzuführen ist, die größer für kleine elongierte Zellen ist als für große, runde Zellen. Die hohe N/C Relation und der geringe Pixelierungsintensität bei Männchen und Jungtieren deuten darauf, dass sie mehr unreife Erythrozyten in ihrem Blutgefäßsystem haben als Weibchen. Die Nutzung der Pixelierungsintensität als Maß für das Vorhandensein von mehr unreifen Erythrozyten wurde zudem durch die Daten in Bezug auf die saisonalen Unterschiede validiert, was mit der Biologie dieser Landschildkröten übereinstimmte. Dabei war die Pixelierungsintensität im Winter am niedrigsten. Wir stellten fest, dass die automatisierte Imageanalyse eine schnelle und zuverlässige Methode zur Ermittlung von Zellgrößen und Zellformen ist, die es insbesondere erlaubt, zwischen den Entwicklungsstadien zu unterscheiden, die in der Färbungsintensität variieren. Die Methode sollte für schnelle Gesundheitsüberprüfungen, insbesondere bei gefährdeten Arten, einsetzbar sein und eignet sich auch für vergleichende Studien bei verschiedenen Wirbeltieren.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Sicherlich auch für die praktische Veterinärmedizin eine Möglichkeit zur Erfassung geschlechts- und stadienspezifischer Unterschiede in den normalen Blutbildern exotischer Tierarten und zur Erarbeitung entsprechender diagnostischer Verfahren. Denn wenn es diese geschlechts- und alterspezifischen sowie saisonalen Unterschiede gibt, müssen sie zwangsläufig in die Diagnosen miteinbezogen werden. Denn ohne dieses Wissen würde so mancher vielleicht die Erythrozytenunterschiede im Blutbild von adulten Weibchen und Jungtieren in der einen oder andern Form als pathologisch interpretieren und diagnostizieren.

Literatur

Djordjevic, S., L. Tomovic, A. Golubovic, A. Simovic, B. Sterijovski, M. Djurakic & X. Bonnet (2013): Geographic (in-)variability of gender-specific traits in Hermann's tortoise. – Herpetological Journal 23(2): 67-73 oder Abstract-Archiv.

Domokos, G. & P. L. Várkonyi (2007): Geometry and self-righting of turtles. – Proceedings of the Royal Society of London Series B: Biological Sciences 275 (1630): 11-17 oder Abstract-Archiv.

Golubovic, A., D. Arsovski, R. Ajtic, L. Tomovic & X. Bonnet (2013): Moving in the real world: tortoises take the plunge to cross steep steps. – Biological Journal of the Linnean Society 108(4): 719-726 oder Abstract-Archiv.

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