Vilardell, A., X. Capalleras, J. Budo & P. Pons (2012): Predator identification and effects of habitat management and fencing on depredation rates of simulated nests of an endangered population of Hermann’s tortoises. – European Journal of Wildlife Research 58: 707–713.

Die Identifizierung von Beutegreifern und die Auswirkungen des Habitatmanagements sowie des Einzäunens auf die Rate der Nestausbeutung, ermittelt anhand simulierter Nester einer bedrohten Population der Griechischen Landschildkröte.

Das Ausplündern von Nestern wurde in der Vergangenheit als eine der wesentlichen Ursachen für negative Populationdynamiken bei Schildkröten festgestellt und Letzteres gilt insbesondere für die iberische (spanische) Population der Westlichen Griechischen Landschildkröte, Testudo hermanni hermanni. Diese bedrohte Unterart kommt im Albera-Naturresevat vor, wo wir auch diese Studie durchführten. Wir wählt drei Areale aus, die früher dichte Populationen dieser Schildkröten beherbergten, und wir führten verschiedene Experimente durch, deren Ziele es waren, erstens die Arten der Beutegreifer zu identifizieren; zweitens zu testen, ob eine Reduktion der Gebüsche eine erfolgreiche Strategie zur Reduzierung der Nestplünderungen in potentiell neuen Nistarealen darstellt, und drittens, ob das Einzäunen einen effektiven Schutz vor Beutegreifern bietet. Für die erste Fragestellung benutzten wir Bewegungsmelderkameras und benutzten sowohl Sardinen als Köder als auch künstlich angelegte Nester. Wir erhielten 825 Bilder von möglichen Prädatoren und konnten nachweisen, dass im Untersuchungsgebiet der Baummarder der am häufigsten vorhandene Beutegreifer war. Als weitere folgten Dachs und Wildschwein. Zur Beantwortung der zweiten Fragestellung wurde die Plünderung von künstlich angelegten Schildkrötennestern zwischen bearbeiteten Nistarealen, in denen die Anzahl der Gebüsche reduziert worden war (27 Flächen von 4, 25 oder 100 m2 Größe) und naturbelassenen Kontrollarealen (9 Flächen a 100m2) verglichen. Die Zahl der Nestplünderungen in den behandelten Arealen war hoch (43.6 % nach 48 Stunden und 99,6 % nach 144 Stunden, einer Woche), allerdings lag sie in den Kontrollflächen am höchsten (100 % nach 48 Stunden). Überraschenderweise erfolgte die Ausplünderung in einem Wiederholungsexperiment, bei dem wir um die Geruchsintensität zu verringern, nur ein einziges Nest pro Fläche angelegt hatten, noch schneller. Letztendlich verglichen wir die Rate der Nestplünderungen bei acht eingezäunten Flächen und acht offenen Flächen (je 100 m2). Die Einzäunung war im Vergleich zu den Kontrollflächen zum Teil erfolgreich, weil die Zäune alle bedeutenden Beutegreifer mit Ausnahme des Baummarders fernhielten, der sehr schnell lernte, wie er durch die Zäune schlüpfen konnte. Da die Nestplünderungen eine der bedeutendsten Gefährdungen für den Fortbestand dieser gefährdeten Population darstellt, brauchen wir dringend eine effektive Strategie zur Verminderung der Plünderungen, wobei man auch bedenken sollte, dass Prädatoren durchaus lernfähig sind, um Nistplätze zu lokalisieren.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Dass Beutegreifer sehr schnell lernen, Nester ausfindig zu machen, wurde schon mehrfach belegt (siehe Burke et al. 2005, Rollinson & Brooks 2007), wobei auch gezeigt wurde, dass sie lernen, vom Menschen hinterlassene Markierungen zur Lokalisation zu nutzen. Generell würde mich sowieso interessieren, ob die von den Forschern künstlich angelegten Nester nicht leichter auszumachen waren, als natürlicherweise von Schildkröten selbst angelegte, denn hier kann sogar der menschliche Geruch oder die vom Menschen verursachte Vegetationsveränderung z. B. Niedertrampeln auf den gut bewachsenen Kontrollflächen den Beutegreifern das Ausfindigmachen erleichtern. Dass der Geruch eine Rolle spielen kann, deutet sich an, weil die einzeln angelegten Nester noch gezielter geplündert wurden, was daran liegen kann, dass es für einen Beutesucher leichter ist, eine Geruchsquelle gezielt zu lokalisieren, während er bei vielen Geruchsquellen aus unterschiedlichen Richtungen nicht so gezielt vorgehen kann, und an jede einzelne Geruchsquelle wesentlich näher herankommen muss, um sie ausfindig zu machen. Allerdings ungeachtet dieser Unwägbarkeiten stellt sich doch hier, wie auch in vielen anderen Schutzgebieten, die Frage, was dazu geführt hat, dass plötzlich die Beutegreifer so viele Nester plündern? Liegt es daran, dass die Zahl der Beutegreifer ständig steigt, weil große Raubtiere wie Luchs, Wolf und Braunbär deren Bestände nicht mehr niedrig genug halten, oder hat sich generell an der Landschaft und deren Nutzung durch den Menschen etwas dahingehend geändert, das entweder dazu geführt hat, dass die Beutegreifer zugenommen haben oder die Schildkröten ihre Nester nicht mehr so geschützt anlegen können wie früher? Ich denke, solange diese Fragen nicht geklärt sind, kann man die Situation nur mit sehr radikalen Maßnahmen wie Einzäunung oder gezielter Bejagung der Beutegreifer, notfalls mittels Fallen oder Giftköder zugunsten der darunter leidenden Tiere wie Schildkröten, bodenbrütenden Vögeln und eventuell auch Amphibien und anderen Reptilien verbessern.

Literatur

Burke, R. L., C. M. Schneider & M. T. Dollinger (2005): Cues used by raccoons to find turtle nests: Effects of flags, human scent, and diamond-backed terrapin sign. – Journal of Herpetology 39 (2): 312–315 oder Abstract-Archiv.

Rollinson, N. & R. J. Brooks (2007): Marking nests increases the frequency of nest depredation in a northern population of Painted Turtles (Chrysemys picta). – Journal of Herpetology 41: 174–176 oder Abstract-Archiv.

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