Vargas-Ramirez, M., O. V. Castaño-Mora & U. Fritz (2008): Molecular phylogeny and divergence times of ancient South American and Malagasy river turtles (Testudines: Pleurodira: Podocnemididae). – Organisms Diversity & Evolution 8(5): 388-398.

Molekulare Phylogenie und Aufspaltungszeiten der ursprünglichen Südamerikanischen und madagassischen Flussschildkröten (Testudines: Pleurodira: Podocnemididae).

DOI: 10.1016/j.ode.2008.10.001

Die acht rezenten (extant) Podocnemiden-Spezies sind die letzten Überlebenden einer artenreichen alten Gruppe von Schildkröten, die seit der Kreidezeit existierte. Eine Art wird durch die monotypische Gattung Erymnochelys vertreten und kommt auf Madagaskar vor, die restlichen sieben Spezies beschränken sich auf Südamerika (Peltocephalus: eine Spezies: Podocnemis: sechs Spezies). Die phylogenetischen Beziehungen all dieser rezenten Spezies wurde an Hand von sechs mitochondrialen (3385 bp) und sechs nukleär DNS Fragmenten (4115 bp) in separaten und kombinierten Analysen (Bayesian Inference. Maximum Likelihood (Wahrscheinlichkeit), Maximum Parsimony) untersucht. Bei einem Totalvergleich aller untersuchten (concatenated) Gene und in Einbezug aller Methoden ergab sich immer die gleiche gut abgesicherte phylogenetische Hypothese für die drei Basislinien. Die madagassische Gattung Erymnochelys ist das Schwestertaxon zu den südamerikanischen Podocnemis, und Peltocephalus stellt das Schwestertaxon zu Erymnochelys + Podocnemis. Innerhalb der Podocnemis-Arten bilden P. unifilis + (P. erythrocephala + P. lewyana) eine gut abgesicherte Überklade (crown clade) während P. sextuberculata, P. vogli und P. expansa als suzessive Schwestertaxa anzusehen sind. In Bezug auf eine Bayesian-Relaxierten-Molekularen-Uhren-Kalkulation, die an Hand von Fossilnachweisen kalibriert wurde, zeigte sich, dass Peltocephalus sich während einer Periode in der späten Kreidezeit (etwa 86 Millionen Jahre) abspaltete, zu einer Zeit, zu der noch eine zusammenhängende Gondwana-Landmasse, die aus Afrika bestand, existiert haben dürfte. Die in der späten Kreidezeit erfolgte Aufspaltung zwischen Erymnochelys und Podocnemis (etwa vor 78 Millionen Jahren) fällt in etwa mit dem vermuteten Untergang der Landbrücken zwischen Madagaskar und Antarktika + Südamerika zusammen, was nahe legt, dass die Entstehung dieser Gattungen mit jenem einschneidenden Ereignis in Zusammenhang steht. Die heutigen Podocnemis-Spezies evoluierten im späten Eozän (etwa vor 37 Millionen Jahren) bis zum mittleren Miozän (etwa vor 15 Millionen Jahren), einer Phase, die durch eine dramatische globale Abkühlung, Austrocknung und die Aufwölbung der Anden charakterisiert ist.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Wie ich finde, eine interessante Geschichte, die auch zeigt, dass ein Klimawandel nicht auch gleich zum völligen Verschwinden von Schildkröten führen muss, wie so manch andere Arbeit einen weismachen mag, die sich mit den Auswirkungen des globalen Klimawandels auseinandersetzt. Vergleicht man es mal mit der Rolle, die der Mensch bezüglich Habitatzerstörung und Tierentnahmen aus der Natur spielt, dürfte derzeit der Klimawandel – so schnell er sich auch entwickeln mag – immer noch das geringere Problem für den Artenschutz zu sein. Siehe auch Rivalan, P., V. Delmas, E. Angulo, L. S. Bull, R. J. Hall, F. Courchamp, A. M. Rosser & N. Leader-Williams (2007): Can bans stimulate wildlife trade? Proactive management of trade in endangered wildlife makes more sense than last-minute bans that can themselves increase trading activity. – Nature 447: 529-530 oder Abstract-Archiv. Platt, S. G., H. Sovannara, L. Kheng, R. Holloway, B. L. Stuart & T. R. Rainwater (2008): Biodiversity, Exploitation, and Conservation of Turtles in the Tonle Sap Biosphere Reserve, Cambodia, with Notes on Reproductive Ecology of Malayemys subtrijuga . – Chelonian Conservation and Biology 8(2): 195-204 oder Abstract-Archiv.

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