Shanker, K., J. Ramaddevi, B. C. Choudhury, L. Singh, & R. K. Aggarwal (2004): Phylogeography of olive ridley turtles (Lepidochelys olivacea) on the east coast of India: Implications for conservation theory. – Molecular Ecology 13: 1899-1909.

Phylogeographie der Bastardschildkröten (Lepidochelys olivacea) an der Ostküste Indiens: Auswirkungen zur Erhaltungstheorie

Orissa an der Ostküste Indiens ist einer der drei weltweit bekannten Strände an denen Masseneiablagen der Pazifischen Bastardschildkröten erfolgen. Diese Population steht derzeit unter einer starken Bedrohung und weist eine sehr hohe durch Fischerei bedingte Mortalitätsrate auf, wobei in Orissa mehr als 100.000 tote Schildkröten während der letzten 10 Jahre gezählt wurden. Im Allgemeinen wurde der weltweit verbreiteten Bastardschildkröte weit weniger Beachtung geschenkt als ihrer Verwandten der Atlantischen Bastardschildkröte (L. kempi), denn letztere ist eine distinkte Art, die nur noch aus einer einzigen stark gefährdeten Brutpopulation besteht. Unsere Untersuchung von mitochondrialen DNS Haplotypen zeigte, dass die Bastardschildkröten-Population der Ostküste Indiens eine pandemische Population darstellt, die sich von allen anderen einschließlich der von Sri Lanka deutlich unterscheidet. Ungefähr 96 % der ostindischen Tiere bildeten eine distinkte Klade mit Haplotypen, die sich in keiner anderen Population fanden. Die Analyse der Kladen und Vergleiche verdeutlichten, dass die ostindische Population expandierte und dass von dort aus andere Meeresregionen besiedelt wurden, so dass man vielleicht davon ausgehen kann, dass es sich hier um die Ursprungspopulation handelt. Diese Daten zeigen, dass Schutzmaßnahmen auf soliden Daten basieren sollten und nicht nur nach rein taxonomischen Kriterien wie Artstatus (bzw. Seltenheitsgrad) durchgeführt werden sollten.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Hier muss man den Autoren durchaus recht geben, denn die Abnahme einer noch in sehr hoher Zahl vorkommenden Art sagt manchmal mehr über ökologische Veränderungen und Gefährdungen aus, als dass Arten tun, die ohnehin selten sind. Es ist zwar nur allzu menschlich, dass wir „selten“ oft mit „wertvoll“ assoziieren, aber bei der Beurteilung biologischer und ökologischer Abläufe und Veränderungen sollte dieser „Fehler“ tunlichst vermieden werden.

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