Rozylowicz, L. & M. Dobre (2010): Assessing the threatened status of Testudo hermanni boettgeri Mojsisovics, 1889 (Reptilia: Testudines: Testudinidae) population from Romania. – North-Western Journal of Zoology 6 (2): 190-202.

Erfassung des Gefährdungsstatus der Testudo hermanni boettgeri Mojsisovics. 1889 (Reptilia: Testudines. Testudinidae) Population in Rumänien.

Die Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri Mojsisovics, 1889) kommt in Rumänien an der Grenze ihres Gesamtverbreitungsgebiets vor. Das Hauptvorkommensgebiet in Rumänien liegt im südwestlichen Teil des Landes in einer Zone mit suboptimalem, submediterranen Klima. Testudo hermanni boettgeri wird auch im südöstlichen Teil des Landes gefunden, allerdings ist die Population dort zu klein (relikthaft), um in dieser Studie erfasst zu werden. Das Verbreitungsgebiet im Südwesten Rumäniens umfasst eine Fläche von etwa 4420 km2, allerdings sind davon nur etwa 672 km2 als gutes Habitat für Schildkröten anzusehen. Aus einer Sicht mit dem Ziel der Verbreitungsgebietserweiterung heraus muss man feststellen, dass die Griechische Landschildkröte in Rumänien eine Unterart mit einem sehr begrenzten Habitat darstellt, wobei die Population derzeit sehr abnimmt – eine Tendenz, die sehr wahrscheinlich in der Zukunft anhalten wird. Dieser Rückgang wird durch Habitatverlust verursacht. Die Hauptgefährdungen für die Griechische Landschildkröte ergeben sich durch die Erschließung von Neubaugebieten, dem wachsenden Tourismus mit seinem Landverbrauch für Sport- und Erholungsanlagen, dem zunehmenden Anbau einjähriger Feldfrüchte, Ausweitung der Flächen für den Bergbau und zum Kraftwerksbau zur Energieproduktion und einer Zunahme bei den Bränden und deren Intensität, Trockenheit und Klimawandel. Anhand des erfassten Gefährdungsstatus und in Anlehnung an die von der IUNC vorgegebenen Kriterien auf regionalem Niveau führte dazu, die Art in die Kategorie als gefährdet (endangered) EN Blab(i,ii,iii,v) einzuordnen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Im Grunde genommen sehen wir immer die gleichen Gefährdungen, und wenn wir uns einige der Ursachen anschauen, dann kann man auch hier vermuten, dass es für das Überleben mancher Arten nicht unbedingt von Vorteil sein muss, dass das Land, in dem ihr Vorkommensgebiet liegt nun der EU beigetreten ist. Es ist schon erstaunlich, dass wir zwar Wissenschaftler in die Dritte Welt zur Erfassung bedrohter Pflanzen- und Tierarten schicken, um dort den Biodiversitätsverlust zu erfassen oder gar zu begrenzen und Empfehlungen für die Einrichtung von Nationalparks auszusprechen, es aber hier in den eigenen Mitgliedsstaaten der EU anscheinend nicht schaffen, mit gutem Beispiel voranzugehen. Da muss man sich doch fragen, warum ist das so? Denn wenn wir das nicht hinbekommen, dann sieht es auf lange Sicht erst recht sehr düster für die so genannten noch ärmeren Staaten der Dritten Welt aus. Siehe Kommentar zu Walker (2010), Hoffmann & Sgro (2011).

Literatur

Hoffmann, A. A. & C. M. Sgro (2011): Climate change and evolutionary Adaptation. – Nature 470: 479–485 oder Abstract-Archiv.

Walker, R. C. J. (2010): The Decline of The Critically Endangered Northern Madagascar Spider Tortoise (Pyxis Arachnoides Brygooi). – Herpetologica 66: 411–417 oder Abstract-Archiv.

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