Rowe, J.W., C. F. Bunce & D. L. Clark (2014): Spectral reflectance and substrate color-induced melanization in immature and adult Midland painted turtles (Chrysemys picta marginata). – Amphibia-Reptilia 35(2): 149–159.

Die spektrale Reflexion und eine durch die Substratfarbe induzierte Melanisierung bei jungen und adulten Mittelländischen Zierschildkröten (Chrysemys picta marginata).

DOI: 10.1163/15685381-00002934

Die Färbung eines Tieres kann sowohl der Kommunikation als auch der Tarnung dienen, und sie kann sich dynamisch über die Zeit verändern. Wir untersuchten hier die spektrale Reflexion des Zeichnungsmusters und die durch die Bodengrundfarbe induzierte Melanisierung bei adulten Mittelländischen Zierschildkröten (Chrysemys picta marginata). Die spektrale Reflexion der Grundfarben von Carapax und Plastron sowie die roten, gelben und schwarzen Zeichnungsmuster an Kopf und Beinen zeigten keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Deshalb gehen wir davon aus, dass die gelben und roten Zeichnungen auf dem Kopf und an den Beinen keine durch das Geschlecht selektierten Parameter sind, denn sonst müsste es zu Ausprägungsunterschieden und oder Unterschieden in der Farbintensität zwischen den Geschlechtern kommen. Möglicherweise dienen die Farbmuster an Kopf, Beinen und Carapaxrand der Tarnung (Somatolyse), die die Bergenzungen der Individuen verschwimmen lassen. Allerdings können wir auch nicht ausschließen, dass die Muster an Kopf und Beinen der Arterkennung dienen sowie zur Qualitätseinstufung von Geschlechtspartnern beitragen. Bei Schildkröten, die für 150 Tage unter Laborbedingungen aufgezogen wurden, veränderte sich sowohl die Grundfärbung als auch jene der Flecken und Streifen an Kopf und Beinen, wobei deren Intensität zunahm (die Schildkröten wurden heller). Allerdings geschah dies am ausgeprägtesten bei jenen, die auf einem weißen Substrat gehalten wurden, im Vergleich zu jenen, die einen schwarzen Bodengrund hatten. Am Tag 150 waren sowohl die Grundfarbe von Carapax und Plastron als auch die dunklen Flecken der Marginalschilder bei den Individuen am dunkelsten, die auf schwarzem Substrat aufgezogen worden waren, im Vergleich zu jenen, die auf weißem herangewachsen waren. Deshalb gehen wir davon aus, dass adulte Schildkröten, die sich zwischen unterschiedlichen Habitaten mit unterschiedlicher Substratfarbe bewegen, das Ausmaß der Dunkelfärbung von Carapax- und Hautfarbe anpassen können, um sich gegenüber dem Hintergrund tarnen zu können, um das Risiko von Beutegreifern entdeckt zu werden zu minimieren.