Refsnider, J. M. (2013): High thermal variance in naturally incubated turtle nests produces faster offspring. – Journal of Ethology 31: (1): 85–93.

Hohe Temperaturschwankungen in natürlich inkubierten Nestern resultieren in schnelleren Schlüpflingen.

Die Auswirkungen des Klimawandels auf Populationen sind schwierig vorherzusagen und können zu nicht übereinstimmenden Veränderungen bei unabhängigen Organismen oder bei verschiedenen Organismen in Bezug auf deren Umwelt führen. Reptilien mit temperaturabhängiger Geschlechtsbestimmung können durchaus eine Kompensation für eine durch den Klimawandel verursachte Verschiebung der Geschlechterverteilung erreichen, indem sie z. B. kühlere (schattigere) Nistplätze wählen. Obwohl eine andere Nistplatzwahl eine Veränderung im Geschlechterverhältnis kompensieren kann, könnten damit aber auch andere Fitness-bezogene Veränderungen induziert werden, und so könnten Temperatur-sensitive Leistungsparameter bei den Schlüpflingen verändert sein. Wir testen die Laufgeschwindigkeit und die Schwimmleistung bei Schlüpflingen der Zierschildkröte (Chrysemys picta), die von fünf Weibchen aus fünf verschiedenen Populationen verteilt über das geographische Gesamtverbreitungsgebiet der Art stammten, wobei die Weibchen die Eier in einem Gartengehege ablegten. Ich fand, dass die Geschwindigkeit jener Schlüpflinge am schnellsten war, deren Mütter ursprünglich aus den Habitaten mit dem wärmsten Klima stammten, und zusätzlich zeigte sich, dass jene Nester, die so platziert waren, dass sie eine höhere tägliche Schwankungsbreite im Temperaturprofil zeigten, ebenso sich schneller bewegende Schlüpflinge produzierten. Diese Ergebnisse lassen vermuten, dass steigende Temperaturen, wie sie von den Modellen zum Klimawandel prognostiziert werden, dazu führen, dass die Schildkrötenschlüpflinge schneller in Bezug auf ihre Sprintleistung und Schwimmgeschwindigkeit werden. Allerdings bleibt bislang unbekannt, ob diese Steigerung der Leistungsfähigkeit zu einer verbesserten Gesamtfitness führt.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine Arbeit, die zeigt, dass bei Schildkröten höhere Inkubationstemperaturschwankungen nicht in jedem Fall auch gleich zu erhöhten Mortalitätsraten führen (siehe Micheli-Campbell et al. 2012). Aus tierphysiologisch-endokrinologischer Sicht passen diese Befunde sehr gut ins Bild, denn normalerweise geht ein gesteigerter Bedarf einer Temperaturanpassung damit einher, dass die Schilddrüse über das stoffwechselregulierende Schilddrüsenhormon diese regelt, sodass die Tiere wohl auch später nach dem Schlupf diese stoffwechselsteigernde Wirkung nutzen können, wenn es darum geht, schnell Energie für bestimmte Leistungen bereit zu stellen. Siehe auch Les et al. (2007).

Literatur

Les, H. L., R. T. Paitz & R. M. Bowden (2007): Experimental test of the effects of fluctuating incubation temperatures on hatchling phenotype. – Journal of Experimental Zoology 307A:1–7 oder Abstract-Archiv.

Micheli-Campbell, M. A., M. A. Gordos, H. A. Campbell, D. T. Booth & C. E. Franklin (2012): The influence of daily temperature fluctuations during incubation upon the phenotype of a freshwater turtle. – Journal of Zoology 288: 143–150 oder Abstract-Archiv.

Seitenanfang