Perez, M., B. Livoreil, S. Mantovani,M. C. Boisselier, B. Crestanello, J. Abdelkrim, C. Bonillo, V. Goutner, J. Lambourdière, M. Pierpaoli, B. Sterijovski, L. Tomovic, S. T. Vilaça, S. Mazzotti & G. Bertorelle (2013): Genetic Variation and Population Structure in the Endangered Hermann’s Tortoise: The Roles of Geography and Human-Mediated Processes. – Journal of Heredity, doi:10.1093/jhered/est071.

Genetische Unterschiede und die Populationsstruktur bei den gefährdeten Griechischen Landschildkröten: Die Einflüsse der Geographie und menschlicher Handlungen.

Die Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni) ist eine gefährdete Landschildkröte, die im europäischen Mediterranraum in nicht mehr zusammenhängenden (disjunkten) Populationen verstreut vorkommt. Wir untersuchten deren genetische Verschiedenheit anhand eines mitochondrialen Locus und anhand von 9 nukleäreren Mikrosatelliten bei ungefähr 300 Individuen aus 22 Lokalitäten. Unser Ziel war zu verstehen, welchen relativen Einfluss natürliche und durch den Menschen verursachte Prozesse bei der Ausformung der genetischen Populationsstruktur haben und dabei die genetischen definierten Prioritäten für die Erhaltung der Art zu erfassen. Wir fanden zum einen, dass alle geographischen Areale hochgradig differenziert sind, was hauptsächlich als Funktion ihre Entfernung zu einander anzusehen ist, wobei sich aber auch eine klare genetische Diskontinuität (Fst Werte größer als 0.4) zwischen den östlichen und westlichen Unterarten zeigt. Zum zweiten zeigte sich, dass die Kontaktzone beider Unterarten viel weiter westlich verläuft als bisher angenommen und wahrscheinlich mit dem Delta des größten Flusses Italiens korreliert. Zum dritten haben wahrscheinlich durch klimatische Veränderungen verursachte Auslöschungsereignisse während des oberen Palaeolithikums und nachfolgende Translokationen durch den Menschen während des Neolithikums dazu geführt, dass es zu der unerwarteten Ähnlichkeit zwischen den Populationen in Spanien, Sizilien und Korsika gekommen ist. In Bezug auf das Erhaltungsmanagement muss man feststellen, dass die meisten Genpools natürlichen Ursprungs sind, obwohl es auch zur Hybridisierung zwischen den Unterarten kam, die in Bezug zum intensiven Handel und der Verbringung der Tiere während des 20. Jahrhunderts innerhalb Europas stehen. Von letzteren Ereignissen sind einigen Populationen in Spanien und in Italien betroffen. Die meisten Populationen sind derzeit nicht vom Risiko einer drastischen Erniedrigung der nukleären genetischen Variation betroffen. Eine Ausnahme stellt allerdings die franzöStruktursische Population dar, die eine ausgesprochen geringe nukleäre genetische Diversität aufweist (Heterozygosität = 0.25) und bei der 50 von 51 getesteten Schildkrötenindividuen die gleiche mitochindriale Sequenz aufwiesen. Generell sollten Aufstockungsmaßnahmen und Wiederansiedlungsplanungen sorgfältig die genetische Herkunft der dafür vorgesehenen Individuen beachten.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine schöne Arbeit mit gutem Kartenmaterial, die auch klar den Einfluss des Menschen auf die Verbreitung zum Ausdruck bringt. Diesbezüglich wäre es wünschenswert, auch die weiter östlich verbreiteten Populationen in solche Studien mit einzubeziehen. Siehe auch Fritz et al. (2004), Fritz et al. (2006) und Perez et al. (2012).

Literatur

Fritz, U., D. Guicking, P. Lenk, U. Joger & M. Wink (2004): When turtle distribution tells European history: mtDNA haplotypes of Emys orbicularis reflect in Germany former division by the Iron Curtain. – Biologia 59, Suppl. 14: 19–25 oder Abstract-Archiv.

Fritz, U., M. Auer, A. Bertolero, A. Heylan, T. Fattizzo, A. K. Hundsdorfer, M. M. Sampayo, J. L. Pretus, P. Siroky & M. Wink (2006): A rangewide phylogeography of Hermann's tortoise, Testudo hermanni (Reptilia: Testudines: Testudinidae): implications for taxonomy. – Zoologica scripta 35 (5): 531–543 oder Abstract-Archiv.

Perez, M., R. Leblois, B. Livoreil, R. Bour, J. Lambourdiere, S. Samadi & M. C. Boisselier (2012): Effects of landscape features and demographic history on the genetic structure of Testudo marginata populations in the southern Peloponnese and Sardinia. – Biological Journal of the Linnean Society 105: 591–606 oder Abstract-Archiv.

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