Palkovacs, E. P., M. Marschner, C. Coifi, J. Gerlach & A. Caccone (2003): Are the native giant tortoises from the Seychelles really extinct? A genetic perspective based on mtDNA and microsatellite data. – Molecular Ecology 12: 1403-1413.

Sind die ursprünglich auf den Seychellen vorkommenden Riesenschildkröten wirklich ausgestorben? Ein genetischer Ausblick basierend auf der Analyse der mtDNS und Mikrosatellitendaten

Das Aussterben der ursprünglichen Riesenschildkröten des Seychellenarchipels wurde seit langem vermutet, wird aber dennoch angezweifelt. Eine erst kürzlich durchgeführte morphologische Studie an Riesenschildkröten der Regionen im westlichen Indischen Ozean kam zu dem Schluss, dass zwei ursprünglich auf den Seychellen heimische Arten in Gefangenschaft neben den häufig in Zoos gehalten und auch noch zahlreich natürlich vorkommenden Aldabra-Riesenschildkröten überlebten hätten. Diese Behauptung wird immer noch sehr kontrovers diskutiert, da etliche der morpholgischen Unterscheidungsmerkmale, wie die Carapaxmorpholgie doch sehr von den Haltungsbedingungen beeinflusst werden können. Trotzdem bietet das potentielle Überleben dieser als ausgestorben geglaubten Riesenschildkrötenspezies ein interessantes Szenario für den aktiven Artenschutz. Wir benutzten mitochondriale DNS-Sequenzen und kernständige Mikrosatelliten, um die Validität der wiederentdeckten Arten der Seychellenriesenschildkröten zu untersuchen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Morphotypen, die vermuteterweise die verschieden Arten der Seychellen repräsentieren sollen, keine Variabilitäten in der genetischen Struktur zeigen, die längere Perioden einer Isolation der sich entwickelnden Populationen rechtfertigen würde. Wir fanden keine Abweichungen in der mitochondrialen Kontrollregion zwischen 55 untersuchten Individuen und keine genetische Strukturierung in acht analysierten Mikrosatellitenstellen, so dass die Untersuchungen nahe legen, dass nur Individuen aus einer einzigen Abstammungslinie der Schildkröten des Indischen Ozeans überlebt haben.