Nijman, V. & C. R. Shepherd (2015): Analysis of a decade of trade of tortoises and freshwater turtles in Bangkok, Thailand. – Biodiversity and Conservation 24: 309–318.

Die Analyse eines Jahrzehnts des Handels mit Land- und Wasserschildkröten in Bangkok, Thailand.

Der illegale und nicht-nachhaltige Handel mit Land- und Wasserschildkröten in Asien steht im klaren Gegensatz zu den Erhaltungsbemühungen und führt zu starken Populationseinbrüchen, die unter dem Begriff „Asiatische Schildkrötenkrise“ bekannt wurden. Wir fokussierten uns hier auf den Handel mit Land- und Wasserschildkröten, die in einem der größten Wildtierhandelszentren auf dem größten Haustiermarkt Südostasiens, dem Chatuchak-Markt in Bangkok, Thailand gehandelt werden. Zwischen November 2004 und Dezember 2013 erfassten wir den Handel auf dem Chatuchak 12 mal, wobei wir alle Arten und deren Stückzahlen der Land- und Wasserschildkröten auflisteten, die offen zum Verkauf angeboten wurden. Insgesamt wurden 2667 Individuen von 55 Arten erfasst, wobei 97 % der Individuen Arten angehörten, die nicht in Thailand heimisch sind. Die größte Anzahl der Tiere stammte aus Afrika und Süd- sowie Südostasien. Die Anzahl der pro Begehung aufgefundenen Schildkröten schwankte zwischen 110 und 522 Exemplaren und zwischen 11 und 24 verschiedenen Spezies, wobei der angebotene Artenreichtum und die Verschiedenheit der Arten keinem (saisonalen) zeitlichen Muster folgten. Neue Arten kamen während der wiederholten Begehungen dazu, was nahelegt, dass es zu einem kontinuierlichen Zufluss an neuen Spezies kommt. Die während dieser Periode am häufigsten gehandelten Arten waren indische Sternschildkröten, Geochelone elegans (653 Individuen), afrikanische Spornschildkröten, G. sulcata (536) und Strahlenschildkröten, Astrochelys radiata (320). Als global gefährdet eingestufte Arten wurden während jeder Begehung beobachtet, wobei es sich insgesamt um 1235 Individuen von 20 Arten handelte. Darunter waren die sehr stark bedrohten Strahlenschildkröten und die Burmesische Sternschildkröte, G. platynota. Mit nur einer Ausnahme wurden bei jeder Begehung nicht-einheimische auf CITES I gelistete Arten angetroffen, die international vom Handel ausgeschlossen sein sollten, wie z. B. die Strahlen-Dreikielschildkröte, Geoclemys hamiltonii aus dem Nordosten Indiens und Bangladesch, wobei es sich insgesamt um 417 Individuen aus 7 Arten handelte. Die Beobachtung, dass es sich dabei immer um ziemliche hohe Stückzahlen handelte, zeigt, dass diese Arten illegal in das Land eingeführt wurden, was nahelegt, dass skrupellose Händler geschickt die Schlupflöcher in Thailands Legislative ausnutzen. Eine Reform der thailändischen Legislative wird dringend benötigt, sodass der Schutz von Wildtieren in Reservaten und die Erhaltungsabkommen effektive Anwendung durch die Gesetzgebung erfahren, damit dieser illegale Handel mit Land- und Wasserschildkröten in Thailand eingedämmt werden kann.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Allen die nun der Meinung sind, dass die Anzahl der genannten Tiere über einen Zeitraum von 10 Jahren ja vernachlässigbar gering sei, dem sei gesagt, dass es sich hier um 12 einzelne Marktbesuche handelte, bei denen diese Tierzahlen erfasst wurden. Dieser Markt ist aber ganzjährig geöffnet, so dass man durchaus mal hochrechnen kann, wie das Angebot im gesamten Zeitraum ausgesehen haben mag. Nun liest sich diese Arbeit so, dass eigentlich jeder das im Schlusssatz des Abstracts geforderte befürworten kann. Allerdings kann ich nicht verhehlen, dass sich vieles auch so anhört, wie man es hierzulande aus gewissen Kreisen zu hören bekommt. Wir leben nun mal in einer globalen Welt mit einer globalen Presse, und das ist, denke ich, gut so! Die Frage, die sich stellt, ist doch die: „Wie sollten wir uns verhalten, damit man uns nicht Gleiches unterstellen kann?“ Denn der illegale Handel ist und war ja nicht auf Thailand beschränkt! Ich denke als Fazit aus solchen Veröffentlichungen lässt sich klar ableiten, dass wir uns um einen positiven Beitrag zu leisten aus dem Wildfangimport verabschieden sollten! Ich denke auch, dass wir zumindest, was die Schildkröten anbetrifft, dies auch problemlos können. Denn die Arten, um die es hier geht, werden in Deutschland und Europa dank der guten Weiterbildung innerhalb der herpetologischen Verbände nachgezogen, und da innerhalb Europas mit steigenden Energiekosten sowieso die Absatzmärkte schrumpfen, können wir diese Lücken problemlos und verantwortungsvoll mit Nachzuchten füllen. Letzteres würde uns zudem etliche andere negative Gefährdungen durch Wildfangimporte auch ersparen (siehe Halla et al. 2014, Iglesias et al. 2015, Vinke & Vinke 2015).

Literatur

Halla, U., R. Korbel, F. Mutschmann & M. Rinder (2014): Blood parasites in reptiles imported to Germany. – Parasitology Research 113 (12): 4587–4599 oder Abstract-Archiv.

Iglesias, R., J. M. García-Estévez, C. Ayres, A. Acuña & A. Cordero-Rivera (2015): First reported outbreak of severe spirorchiidiasis in Emys orbicularis, probably resulting from a parasite spillover event. – Diseases of Aquatic Organisms 113 (1): 75–80 oder Abstract-Archiv.

Vinke, T. & S. Vinke (2015): Kann und darf Illegales in der Europäischen Union legal sein? – Schildkröten im Fokus, Bergheim 12 (1): 30–35.