Montaño F., R. R., E. Cuéllar, L. A. Fitzgerald, F. Soria, F. Mendoza, R. Peña, T. Dosapey, S. L. Deem & A. J. Noss (2013): Ranging patterns by the red-footed tortoise – Geochelone carbonaria (Testudines: Testudinidae) – in the Bolivian Chaco. – Ecología en Bolivia 48(1): 17–30.

Durchstreifungsmuster (Home Range) für die Köhlerschildkröte – Geochelone carbonaria (Testudines: Testudinidae) im bolivianischen Chaco.

DOI: None

Köhlerschildkröte, Chelonoidis carbonaria – © Hans-Jürgen Bidmon
Köhlerschildkröte,
Chelonoidis carbonaria,
© Hans-Jürgen Bidmon

Im bolivianischen Chaco, ist die Köhlerschildkröte Geochelone carbonaria für die Einheimischen ein wichtiges Reptil zur Ernährung und für den traditionell medizinischen Gebrauch. In Bolivien gilt die Spezies als gefährdet, wobei Beobachtungen vermuten lassen, dass sie in der Nähe von Ansiedlungen und Rinderfarmen in besonders geringen Stückzahlen vorkommt. Allerdings ist das Wissen in Bezug auf ihre biologischen Ansprüche und Ökologie sehr begrenzt. Als Teil eines Landschaftsschutzprogramms unter Einbezug des einheimischen Wildtiermanagements beschreibt diese Arbeit das Habitatnutzungsmuster für diese Art in einem Langzeituntersuchungsprojekt im Kaa-Iya del Gran Chaco National Park. Als prinzipielle Untersuchungsmethode wurde bei 15 Individuen Radiotelemetrie über einen Zeitraum von zwei Jahren eingesetzt. Die Schildkröten nutzten Habitatgrößen, die zwischen 50–600 Hektar lagen, wobei jene der Männchen dreimal größer waren als jene der Weibchen. Die individuellen Lebensräume der Schildkröten überlappen sich zwischen Paaren von überwachten Tieren zum Teil bis zu 96 %, wobei sich auch mehrere individuell genutzte Lebensräume simultan überlappen. Zudem verschiebt sich die Lebensraumnutzung zwischen den Regen- und Trockenzeiten. Die relativ großen, aktiv von den Köhlerschildkröten genutzten Lebensräume und deren zusätzliche saisonale Verlagerung im Chaco, selbst innerhalb geschützter Gebieten bedingen für die Erhaltung dieser Tiere innerhalb von vom Menschen veränderter Lebensräume, dass die wichtigen Schlüsselressourcen wie ausreichend Nahrung, Wasser und Unterschlüpfe dort angeboten werden, wo sie immer knapper werden. Alternativ sollten auf Territorien der Ureinwohner und der Farmer kommunale bzw. private Reservate eingerichtet werden, die mindestens 1.000 Hektar betragen sollten, um die Landschildkrötenpopulationen auf diesen Ländereien erhalten zu können.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Hier zeigt sich deutlich, wie groß die von den Schildkröten genutzten Flächen sein müssen, um sie in dieser semiariden bis ariden Landschaft mit dem zum dauerhaften Überleben notwendigen zu versorgen. Diesbezüglich stimmt der letzte Satz schon etwas besorgt, denn Schutzzonen dieser Größenordnung insbesondere auf privatem Land halte ich persönlich für nur sehr schwer oder nur für sehr große Farmen machbar. Denn alle die Kleinfarmer, die vielleicht Farmen haben die noch nicht einmal 1.000 Hektar umfassen, können diesen Erhaltungsanforderungen gar nicht gerecht werden. Hier wäre es wohl sinnvoller eher Ersatzmaßnahmen zu implementieren, wie künstlich angelegte Schutzhöhlen, um den ortsansässigen Schildkröten die Schlüsselressourcen auch auf kleinerer Fläche anbieten zu können. Denn es ist davon auszugehen, dass man damit mehr erreicht als mit unrealistischen Forderungen. Siehe auch Kommentare zu: Hofmeyr et al. (2012).

Literatur

Hofmeyr, M., U. van Bloemestein, B. Henen & C. Weatherby (2012): Sexual and environmental variation in the space requirements of the Critically Endangered geometric tortoise, Psammobates geometricus. – Amphibia-Reptilia 33: 185–197 oder Abstract-Archiv.

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