McKee - 2021 - 01

McKee, R. K., K. A. Buhlmann, C. T. Moore, J. A. Hepinstall & T. D. Tuberville (2021): Waif Gopher Tortoise Survival and Site Fidelity Following Translocation. – The Journal of Wildlife Management: Early View.

Das Überleben und die Standorttreue von herkunftslosen Gopherschildkröten nach einer Umsiedlung.

DOI: 10.1002/jwmg.21998 ➚

Georgia-Gopherschildkröte, Gopherus polyphemus, – © Tracey D. Tuberville
Georgia-Gopherschildkröte,
Gopherus polyphemus,
© Tracey D. Tuberville

Gopherschildkröten (Gopherus polyphemus) gehören zu den am häufigsten umgesiedelten Reptilien. Herkunftslose Landschildkröten sind Tiere deren Herkunft meist unbekannt ist und die aus der Wildnis entnommen und verbracht wurden und über längere Zeit von Personen aus verschiedensten Gründen gehalten wurden. Obwohl jede Umsiedlung mit Risiken verbunden sind werden solche herkunftslosen Schildkröten im Allgemeinen nicht für Wiederansiedlungen oder Populationsaufstockungen verwendet, da man davon ausgeht, dass damit ein erhöhtes Risiko für die Verbreitungen von Krankheitserregern einhergeht und man über deren Überlebensfähigkeit nach der Auswilderung Zweifel bestehen. Allerdings wenn man diese Risiken managen kann können solche herkunftslosen Schildkröten einen Wert für das Arterhaltungsmanagement haben, den man kann damit die Individuenzahl von abnehmenden Populationen stützen und sie stabilisieren. In den frühen 1990iger wurde eine isolierte Gopherschildkrötenpopulation (<= 15 Individuen) nahe Aiken in South Carolina, USA entdeckt was zur priorisierten Einrichtung eines Gopherschildkrötenschutzreservats (Tortoise Heritage Preserve AGTHP) führte. Da diese Population aber einen dringenden Aufstockungsbedarf aus anderen Populationen hatte und die Population sehr isoliert von den Lokalitäten anderer Populationen lag, bot das AGTHP die Möglichkeit zu überprüfen ob hier die Ansiedlung von herkunftslosen Schildkröten deren Überleben ermöglichte ohne damit andere natürliche, überlebensfähige Populationen zu gefährden. Seit 2006 wurden hier mehr als 260 herkunftslose Landschildkröten angesiedelt. Anhand der Cormack-Jolly-Seber–Modellierung analysierten wir die Ansiedlungsaufzeichnungen sowie die Wiederfangverläufe aus den Jahren 2017 und 2018 wobei wir für die Individuen dieser hauptsächlich aus angesiedelten herkunftslosen Schildkröten bestehenden Population die offensichtliche Langzeitüberlebenssfähigkeit der Individuen sowie deren Standorttreue abschätzten. Wir schätzen die jährliche Überlebenswahrscheinlichkeit für subadulte, adulte männliche und adulte weibliche als hoch ein (>= 0.90) wobei sich zeigte, dass diese Überlebensrate gleich jener war die man für aus der Wildnis umgesiedelte Individuen sowie für Individuen von unbeeinflussten Gopherschildkrötenpopulationen kennt. Von den Schildkröten die innerhalb des Reservats wiederholt eingefangen worden waren zeigte sich für 75 % der Wiederfänge, dass sie sich immer noch in einem Umkreis von etwa 400m um den Auswilderungsort aufhielten. Diese Ergebnisse legen nahe, dass herkunftslose Landschildkröten eine wichtige Ressource darstellen können um damit das Auslöschungsrisiko von isolierten Populationen zu minimieren.

Kommentar von H.-J. Bidmon

So schön solche Aufstockungsmaßnahmen auch sind so darf aber nicht vergessen, dass sie sehr gute veterinärmedizinische Untersuchungen sowie ausgedehnte Quarantäne voraussetzen um keine Krankheitserreger einzuschleppen. Was diese Studie aber offen lässt sind die Gründe für den Rückgang der ursprünglichen Population, denn diese Arbeit verweist eigentlich darauf, dass für die dort angesiedelten Schildkröten genug gute Mikrohabitate vor Ort vorhanden waren, damit sie sich innerhalb von 400m ansiedeln und optimal ernähren konnten. Denn wenn man diese Situation einmal mit der einleitenden Schilderung von Scott et al., (2020) vergleicht, wo über die Ansiedlung von einem Vielfachen der ursprünglich vorhanden Wüstenschildkröten berichtet wird, von denen letztendlich bis zum Untersuchungszeitpunkt weit weniger überlebt hatten als vorher vorhanden waren wird deutlich was passiert, wenn die vorhandenen Habitate womöglich unter einem Überbesatz zu leiden beginnen. Siehe dazu auch Bertolero et al., (2007); Kimberleigh et al., (2007) und die dortigen Kommentare.

Literatur

Bertolero, A., D. Oro & A. Besnard (2007): Assessing the efficacy of reintroduction programmes by modelling adult survival: the example of Hermann's tortoise. – Animal Conservation 10(3): 360-368 oder Abstract-Archiv.

Kimberleigh J. F., C. R. Tracy, P. A. Medica, R. W. Marlow & P. S. Corn (2007): Return to the wild: Translocation as a tool in conservation of the Desert Tortoise (Gopherus agassizii). – Biological Conservation 136(2): 232-245 oder Abstract-Archiv.

Scott, P. A., L. J. Allison, J. F. Kimberleigh, R. C. Averill-Murray & H. B. Shaffer (2020): Individual heterozygosity predicts translocation success in threatened desert tortoises. – Science 370(6520): 1086-1089 oder Abstract-Archiv.

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