Mashkaryan, V., M. Vamberger, M. Arakelyan, N. Hezaveh, M. A. Carretero, C. Corti, D. J. Harris & U. Fritz (2013): Gene flow among deeply divergent mtDNA lineages of Testudo graeca (Linnaeus, 1758) in Transcaucasia. – Amphibia and Reptilia 34(3): 337-351.

Der Genfluss zwischen den hochgradig divergierenden mtDNS-Linien von Testudo graeca (Linnaeus, 1758) in Transkaukasien.

DOI: 10.1163/15685381-00002895 ➚

Maurische Landschildkröte, Testudo graeca – © Hans-Jürgen Bidmon
Maurische Landschildkröte,
Testudo graeca
© Hans-Jürgen Bidmon

Unter Verwendung von 10 polymorphen Mikrosatelliten-Genloci und Sequenzen des mitochondrialen Cytochrome b Gens untersuchten wir den Genfluss bei mehr als 100 Maurischen Landschildkröten aus Transkaukasien, und wir verglichen unsere Daten mit den vor kurzem publizierten Daten für die AFLP und die mtDNS. Es zeigte sich, dass die mtDNS-Sequenzen mit hochgradig unterschiedlichen Kladen korrespondieren, wohingegen die AFLP-Daten nur zwei distinkte Gruppen zeigen, und die Mikrosatellitendaten nur eine sehr schwache Differenzierung und damit einen weit reichenden Genfluss erkennen lassen. Wir schließen daraus, dass jedes dieser Markersysteme eine bestimmte Episode während der Evolution des Testudo graeca Komplexes repräsentiert, die mit den Ausbreitungsphasen und einem weit reichenden Genfluss in Einklang stehen. Wir stellen die Hypothese auf, dass die reziprok monophyletischen und hochgradig verschiedenen mtDNS-Linien auf lange zurückliegende Ausbreitungsereignisse zurückzuführen sind, während die dazu im Gegensatz stehenden nukleären Marker jüngere Ereignisse widerspiegeln, die zu einem weiter reichenden Genfluss führten. Die Differenzierungsmuster, die sich aus den AFLP Markern ergeben und AFLP-Gruppen zeigen, die den allopatrisch oder parapatrisch verteilten mitochondrialen Linien entsprechen, sind sehr wahrscheinlich älter als die Mikrosatellitendifferenzierung und könnten mit einer im Holozän erfolgten Ausweitung des Verbreitungsgebiets hinein in die kaukasischen Täler und Tieflandflächen in Zusammenhang stehen. In Anerkennung der meist exklusiven Verbreitungsgebiete für die hochgradig unterschiedlichen mtDNS-Linien und deren Zuordnung zu distinkten Unterarten sollte daher eine vertretbare und vorwärtsgerichtete Klassifizierung darstellen, die die Beschreibung und eindeutige Datenkommunikation unterstützt und gleichzeitig die Konspezifität (Zusammengehörigkeit) der Evolutionslinien zum Ausdruck bringt und anerkennt. Als Schlussfolgerung daraus stellt Transkaukasien eine Übergangszone für T. g. armeniaca, T. g. buxtoni und T. g. ibera dar.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine sehr schöne Arbeit, die grundlegend zeigt, wie sich die einzelnen molekulargenetisch analysierbaren Datensätze zueinander verhalten und welche Langzeitdynamiken ihnen aus historischer Sicht zugrunde liegen. So wird zumindest einiges – und ich betone hier sinnvoller Weise – verständlich, was früher von etlichen als Gegensätze oder widersprüchliche Daten angesehen wurde. Letztendlich sollte uns das aber auch daran erinnern, wie wir diese Dynamiken bei der so genannten Arterhaltung berücksichtigen sollten, denn sie zeigen uns ja gerade die Veränderlichkeit der Tiere an sich verändernde Umweltbedingungen im Zusammenhang mit ihrer genetischen Herkunft und vielleicht auch Zusammengehörigkeit. Siehe auch Kommentare zu: Fritz et al. (2007, 2008), Poulakakis et al. (2012), Garcia et al. (2013) und Parham et al. (2013).

Literatur

Fritz, U., A. K. Hundsdörfer, P. Široký, M. Auer, H. Kami, J. Lehmann, L. F. Mazanaeva, O. Türkozan & M. Wink (2007): Phenotypic plasticity leads to incongruence between morphology-based taxonomy and genetic differentiation in western Palaearctic tortoises (Testudo graeca complex; Testudines, Testudinidae). – Amphibia-Reptilia 28(1): 97-121 oder Abstract-Archiv.

Fritz, U., D. Guicking, M. Auer, R. S. Sommer, M. Wink & A. K. Hundsdoerfer (2008): Diversity of the Southeast Asian leaf turtle genus Cyclemys: how many leaves on its tree of life? – Zoologica Scripta 37(4): 367-390 oder Abstract-Archiv.

Graciá, E., F. Botella, J. D. Anadón, P. Edelaar, D. J. Harris & A. Giménez (2013): Surfing in tortoises? Empirical signs of genetic structuring owing to range expansion. – Biological Letters 9(3): 20121091 oder Abstract-Archiv.

Parham, J. F., T. J. Papenfuss, P. P. van Dijk, B. S. Wilson, C. Marte, L. R. Schettino & W. Brian Simison (2013): Genetic introgression and hybridization in Antillean freshwater turtles (Trachemys) revealed by coalescent analyses of mitochondrial and cloned nuclear markers. – Molecular Phylogenetics and Evolution 67(1): 176-187 oder Abstract-Archiv.

Poulakakis, N., M. Russello, D. Geist & A. Caccone (2012): Unravelling the peculiarities of island life: vicariance, dispersal and the diversification of the extinct and extant giant Galapagos tortoises. – Molecular Ecology 21(1): 160-173 oder Abstract-Archiv.

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