Marchand, K. A., G. N. Hughes & J. D. Litzgus (2018): Geographic Variation in Somatic Growth Rate of Wood Turtles (Glyptemys insculpta). – Copeia 106(3): 477-484.

Geographische Unterschiede bei den Körperwachstumsraten von Waldbachschildkröten (Glyptemys insculpta).

DOI: 10.1643/CH-18-022

Eigenschaften in Bezug zur Lebensweise wie die Körpergröße und das Alter beim Erreichen der Geschlechtsreife zeigen introspezifische Unterschiede über die geographische Vorkommensspannweite. Frühere Studien die die Körpergrößenunterschiede zwischen Schildkrötenpopulationen der gleichen Art adressierten fanden, dass deren Größe im Allgemeinen mit zunehmenden Breitengrad ansteigt mit Ausnahme von Waldbachschildkröten (Glyptemys insculpta) und Tropfenschildkröten (Clemmys guttata) die beide einer nicht-linearen Beziehung folgen, wobei die größten Exemplare an den äußersten Enden der Breitengradskala auftreten. Gleichzeitig werden die Wachstumsraten auch durch die Klimabedingungen beeinflusst und sollten deshalb geographische Muster widerspiegeln die durch die unterschiedlichen Umweltbedingungen bestimmt werden. Das Ziel unserer Studie hier war a) die Quantifizierung der Körperwachstumsrate bei einer nördlichen Population der Waldbachschildkröte und b) zu bestimmen ob die beobachtbaren Unterschiede bei der Körpergröße ein Ergebnis der Interpopulationsvariabilität für Wachstumsraten ist. Bei der nördlichen Population schwankten die erreichten Körpergrößenzuwächse der Schildkröten zum Zeitpunkt zu dem sie ihre Geschlechtsreife erreichten zwischen den Geschlechtern, sodass die Männchen durchschnittlich längere Carapaxlängen aufwiesen im Vergleich zu den Weibchen obwohl beide die gleichen Wachstumsperioden hinter sich hatten. Letzteres verweist möglicherweise darauf, dass ab diesem Zeitpunkt der Energieverbrauch weg vom Zuwachs und hin zur Reproduktion verschoben wird. Die südlichen Populationen zeigten relativ gesehen höhere Körperzuwachsraten, wuchsen aber nur bis zu einer kleineren durchschnittlichen Carapaxlänge heran und erreichten ihre Geschlechtsreife früher als jene im äußersten Norden wobei dieses Wachstumsmuster in Beziehung stand zu der Anzahl der frostfreien Tage und der Temperatur. Das Verständnis für diese Unterschiede in den Lebensbedingungen (läufen) ist essentiell für das Verständnis der unterschiedlichen Populationsdemographien, insbesondere dann wenn es darum geht vom Aussterben bedrohte Populationen zu managen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Diese Studie zeigt eben, dass auch Waldbachschildkröten sehr anpassungsfähig sind und somit verschiedene Umweltbedingungen tolerieren können. Im Allgemeinen zeigen ja viele Arten solche demographischen Unterschiede innerhalb ihrer Nord-Südverbreitung (z. B. Litzgus & Mousseau, 2006, 2004). Allerdings geht das sogar innerhalb eines einzigen vom Menschen manipulierten Flusssystems (siehe Snover et al. 2015). Warum das für das Management der Art von so großer Bedeutung sein soll erschließt sich mir nicht unbedingt. Es sei den man wollte wirklich Populationen von Nord nach Süd umsiedeln. Als Schildkrötenhalter sollte uns aber selbst letzteres nicht verwundern, denn in den meisten Haltungen scheinen ja selbst Tiere mit unterschiedlichster (zum Teil unbekannter) Herkunft mit einander auszukommen und sich sogar zumindest nach einer gewissen Eingewöhnungszeit fortzupflanzen. Gerade dafür ist ja diese adaptive Anpassungsfähigkeit eine der Grundvoraussetzungen ohne die das nicht möglich wäre.

Literatur

Litzgus, J. D. & T. A. Mousseau (2006): Geographic variation in reproduction in a freshwater turtle (Clemmys guttata). – Herpetologica 62 (2): 132-140 oder Abstract-Archiv.

Litzgus, J. D. & T. A. Mousseau (2004): Demography of a southern population of the spotted turtle (Clemmys guttata). – Southeastern Naturalist 3: 391-400 oder Abstract-Archiv.

Snover, M. L., M. J. Adams, D. Ashton, J. B. Bettaso & H. H. Welsh Jr. (2015): Evidence of counter-gradient growth in western pond turtles (Actinemys marmorata) across thermal gradients. – Freshwater Biology, 60: 1944–1963 oder Abstract-Archiv.

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