Lutterschmidt, W. I., S. A. Escobar, & E. D. Wilson (2007): Multivariate analysis of shell morphology of putative hybrid box turtles. – Southern Naturalist 6(4): 571-576.

Multivarianzanalyse der Panzermorpholgie von vermuteten Hybriden bei Dosenschildkröten.

DOI: 10.1656/1528-7092(2007)6[571:MAOSMO]2.0.CO;2

Terrapene carolina triunguis (Dreizehen-Dosenschildkröte) und Terrapene ornata ornata (Schmuckdosenschildkröte) leben sympatrisch in den Gebieten des östlichen Texas. Normalerweise sind beide Arten anhand ihrer Form und Carapaxpigmentierung leicht zu unterscheiden. Allerdings finden sich im östlichen Texas zahlreiche Schildkröten, die sowohl Merkmale der Dreizehen-Dosenschildkröte als auch Charakteristika der Schmuckdosenschildkröte aufweisen, die sehr wahrscheinlich die Resultate einer erfolgreichen Hybridisierung darstellen. Wir sammelten, markierten und vermaßen 103 Dosenschildkröten im Walker County (Landkreis) für eine morphometrische Analyse. Aufgrund dessen, dass wir nur noch eine sehr begrenzte Anzahl von Schmuckdosenschildkröten (n=6) finden konnten, wurden noch 68 Individuen aus Osttexa,s die sich in der Obhut der Texas Cooperative Wildlife Collection (TCWC) befinden, zur Vermessung der Panzer- und Plastronmorphologie herangezogen, um die speziesspezifischen Panzercharakteristika für diese Art zu erfassen. Die Multivarianzanalyse zeigte deutlich, dass alle morphologischen Charakteristika wie Länge, Breite, die Kurvaturlänge (über die Carapaxwölbung gemessen) und die Kurvaturbreite direkt und nach dem ersten Prinzip (in erster Ordnung) zum Komponentenfaktor (Faktor 1) beitrugen (r= 0,929; 0,897; 0,936 und 0,955), die 86,41 % der Unterschiede in Bezug auf die Panzermorphologie für beide Spezies beschrieb, und sich somit herausstellte, dass diese Analyse bestens geeignet war, die beobachteten Differenzen zwischen den beiden Arten und für die Hybriden zu erfassen. Die vermuteten Hybriden zeigten alle das ihre Panzermorphologie mehr der der Dreizehendosenschildkröte glich und signifikante Unterschiede zu Schmuckdosenschildkröten aufwies. Von insgesamt 177 vermessenen Dosenschildkröten erwiesen sich 78 als Dreizehendosenschildkröten, 74 als Schmuckdosenschildkröten und 25 als Hybriden aus beiden Arten.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Auch bei dieser Arbeit wieder ein klarer Hinweis für die Hybridisierung unter natürlichen Gegebenheiten (siehe auch Farias, I. P, A. Jerozolimski, A. Melo, V. M. das Neves, M. Martins & L. A. dos Santos Monjeló (2007): Population genetics of the Amazonian tortoises, Chelonoidis denticulata and C. carbonaria, (Cryptodira: Testudinidae) in an area of sympatry. – Amphibia-Reptilia 28(3): 357-365 oder Abstract-Archiv; Kobayashi, R., Y. Kosuge & M. Hasegawa (2006): Records of the turtles with the morphological characters of Mauremys mutica and Chinemys reevesii in the Inbanuma basin, Chiba Prefecture. – Bulletin of the Herpetological Society of Japan 1 :28-34 oder Abstract-Archiv) und damit zumindest die Bitte, einmal darüber nachzudenken, was dieses Phänomen für Evolution und auch den derzeitigen Fortbestand und die Anpassungsmöglichkeiten an sich verändernde Umwelten dieser Tiergruppe bedeuten könnte. Die Arbeit, die übrigens einige sehr schöne Farbabbildungen enthält, zeigt zwar klar, dass die Hybriden morphologisch eher einer Dreizehendosenschildkröte entsprechen, ihre Carapaxzeichnung aber doch sehr der Schmuckdosenschildkröte angenähert ist, so dass ich fast glaube, dass auch hierzulande einige Halter, die Tiere nicht nach der Form sondern vorrangig nach dem Zeichnungsmuster differenzieren, durchaus auch einige Hybriden im Bestand haben könnten. Ebenso wird deutlich, wie und in Bezug auf welche Dosenschildkröten sich der in der Vergangenheit relativ unkontrollierte Handel in Texas auswirkte (Ceballos, C. P. & A. A. Fitzgerald (2004): The trade in native and exotic turtles in Texas. – Wildlife Society Bulletin 32(3): 881-892 oder Abstract-Archiv), da die Zahl der noch wild lebenden Schmuckdosenschildkröten wohl schon als drastisch dezimiert zu betrachten sein dürfte, denn viele der bis zuletzt aus den USA exportierten Tiere dürften aus Texas stammen.

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