Luiselli, L., D. Dendi, N. Pacini, N. Amadi, G. C. Akani, E. A. Eniang, & G. H. Segniagbeto (2018): Interviews on the status of West African forest tortoises (genus Kinixys), including preliminary data on the effect of snail gatherers on their trade. – Herpetological Journal 28: 171-177.

Interviews zum Status der westafrikanischen Waldschildkröten (Gattung Kinixys) einschließlich vorläufiger Daten über den Einfluss der Schneckensammler auf deren Handel.

Die Waldgelenkschildkröten Kinixys homeana und Kinixys erosa sind zwei der am schnellsten zurückgehenden afrikanischen Schildkröten. Obwohl die Populationsgrößentrends für diese Arten in einigen lokal begrenzten Regionen Westafrikas Berücksichtigung fanden gibt es keine weiterreichenden Einsichten über das Ausmaß deren Bestandsabnahmen. Wir verwendeten Interviews mit der Landbevölkerung (Jäger, Bauern und Schneckensammler) um zu erfahren was diese erfahrenen Leute über die allgemeine Situation zur Populationsentwicklung dieser bedrohten Schildkröten wissen. Insgesamt befragten wir über 2000 Personen in drei westafrikanischen Ländern (Elfenbeinküste, Togo und Nigeria), die im Wesentlichen die Feststellung stützten, dass diese Schildkröten sehr stark in Togo und Nigeria abnehmen aber sehr viel weniger im Gebiet der Elfenbeinküste. Zusätzlich erwähnten viele der Befragten, dass es insbesondere die Schneckensammler wären, die solche Schildkröten auf den Wildfleischmärkten anbieten würden. Tatsächlich ergaben unsere anschließenden Erhebungen auf den Märkten in Nigeria, dass es eine signifikante positive Korrelation zwischen der Anzahl an gehandelten wilden Schnecken die durch individuelle Händler angeboten werden und der Anzahl der an ihren Geschäften/Ständen angebotenen Schildkröten gibt.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Auch hier für Afrika eine klare Bestandsaufnahme darüber wie die lokale einheimische Bevölkerung die zur Verfügung stehenden natürlichen Ressourcen nutzt. Was man aber dennoch nicht vergessen sollte ist dabei aber, dass es sich hier um eine traditionelle Nutzung handelt die es auch schon vor langer Zeit gab, ohne dass die Bestände dabei zusammengebrochen wären. Sicher ist es aus unserer heutigen Sicht leicht solche Praktiken anzuprangern da sie den Schutz- und Erhaltungsbemühungen zuwiderhandeln. Wir sollten uns aber auch fragen was sich im Vergleich zu den länger zurückliegenden „historischen Zeiten“ geändert hat und warum diese Praktiken der natürlichen Ressourcennutzung heute ein Problem für die Bestandserhaltung darstellen? Wenn wir letzteres tun dann werden wir meist sehr schnell erkennen, dass das eigentliche Problem nicht die Schneckensammler sind, sondern viel mehr der stetige Landverbrauch durch Waldrodung und Holzeinschlag und das zunehmende Bevölkerungswachstum. Ja und letzteres wird auch meist nur durch bessere medizinische Versorgung möglich. Da stellt sich doch die Frage, ob Schutzmaßnahmen die richtigen Maßnahmen sind um das Problem anzugehen, denn eigentlich sagen uns die soziologischen Studien, dass das Problem der Überbevölkerung eigentlich nur durch bessere Bildchancen für Frauen und Mädchen in den Griff zu bekommen sei.

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