López, J., M. Waters, A. Routh, T. F. Rakotonanahary, L. Woolaver, A. Thomasson, E. Holmes & H. W. Steinmetz (2017): Hematology and plasma chemistry of the ploughshare tortoise (Astrochelys yniphora) in a captive breeding program – Journal of Zoo and Wildlife Medicine 48(1): 102–115.

Hämatologie und Plasmachemie für die Schnabelbrustschildkröte (Asterochelys yniphora) in einem Zuchtprogramm unter menschlicher Obhut.

DOI: 10.1638/2016-0201.1

Madagassische Schnabelbrustschildkröte, Astrochelys yniphora – © Hilmar Hufer
Madagassische Schnabelbrustschildkröte,
Astrochelys yniphora
© Hilmar Hufer

Es wurden hier Blutproben von 172 in Gefangenschaft gehaltenen und von 40 wild lebenden jungen und adulten Schnabelbrustschildkröten (Astrochelys yniphora) analysiert um hämatologische und biochemische Referenzintervalle zu bestimmen. Die hämatologischen Analysen erfassten das gepackte Zellvolumen (PCV, Hämatokrit), Anzahl der weißen Blutkörperchen (WBC), sowie die differentielle Auswertung der WBC‘s. Die biochemischen Analysen bezogen sich auf den fotometrisch bestimmten Gesamtproteinanteil (TP) und refraktometrisch bestimmten Proteinanteil (TPr), Albumin (ALB), Creatinkinase (CK), Aspartataminotransferase (AST), Glutamatdehydrogenase (GLDH), Gallensäure (BA), Calcium (Ca), Phosphorus (P), Urea (UREA, Harnstoff) und Harnsäure (UA). Die Jugularvene konnte als zuverlässigste Blutabnahmestelle identifiziert werden, da an anderen möglichen Blutentnahmestellen oft Vermischung von Blut und Lymphe auftrat. Unter Berücksichtigung der niedrigen Probenzahlen für einige Altersgruppen können wir feststellen, dass die adulten Schildkröten eine signifikant höhere Plasma-GLDH – Aktivität zeigten und höhere Konzentrationen für TPr, TP, ALB, BA und UREA aufwiesen während gegenüber Juvenilen eine signifikant niedrigere AST-Aktivität sowie niedrigere Konzentrationen für P nachweisbar waren. Die Gefangenschaftshaltung hatte einen signifikanten Einfluss auf einige der Referenzwerte wobei adulte Schildkröten in Gefangenschaft signifikant höhere Werte für die WBC’s aufwiesen und zwar auch für alle einzelnen WBC-Zelltypen ebenso waren UREA und TPr signifikant erhöht im Vergleich zu wildlebenden Artgenossen. Die Jungtiere zeigten in Gefangenschaft signifikant erhöhte Monozytenzahlen, aber signifikant erniedrigte Anzahlen für Eosinophile und Basophile. Obwohl diese Unterschiede sehr wahrscheinlich auf lokal unterschiedlichen Umweltbedingungen und Ernährungsweisen beruhen und keine pathologischen Befunde oder Abweichungen von der Norm darstellen werfen sie doch die Frage auf wie übertragbar diese Referenzwerte von wildlebenden Schildkröten auf in Gefangenschaft lebende Schildkröten oder umgekehrt sind. Signifikante Geschlechtsunterschiede wurden nur für PCV und UA festgestellt. Die hier beschriebenen Referenzwerte können als Anhaltspunkte für die klinische Untersuchung dienen und die Erhaltungsbemühungen für diese hochgradig gefährdete Art unterstützen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Diese Arbeit macht auf zwei wie ich finde wesentliche Befunde aufmerksam. Erstens das auch hier für Jungschildkröten erniedrigte Phosphorwerte gefunden wurden etwas das mich wieder einmal an zwei frühere Arbeiten erinnert (Hazard et al. 2010; Henen et al. 2005; siehe auch Kommentar zu Balsamo et al. 2004 oder Bidmon 2009). Ja und zum zweiten wird hier auf deutliche Unterschiede bei den diagnostischen Blutparametern zwischen Schildkröten in Gefangenschaftshaltung und in freier Wildbahn verwiesen. Obwohl die Autoren diese bei in Gefangenschaftshaltung gemessenen Unterschiede bei den Blutparametern noch nicht als pathologisch ansehen und eher auf Unterschiede in der Ernährung und bei den Umweltbedingungen verweisen finde ich den Befund, dass anscheinend alle Arten von WBC’s also Weißen-Blutzellen (Abwehrzellen der zellulären Abwehr) bei diesen Gefangenschaftstieren erhöht waren interessant. Könnte hier auch Stress eine Rolle spielen z. B. aufgrund zu hoher Besatzdichte? Auch das kann mit einer latent erhöhten Erregerbelastung und eventuell auch Infektionsanfälligkeit einhergehen. Ja und wie Goessling et al., (2017) beschreiben zu entsprechenden Anpassungen bei den Abwehrparametern führen. Die erhöhten TPr und UREA Werte bei den in Gefangenschaft lebenden Tieren halte ich dagegen eher wie auch die Autoren für nebensächlich, denn die werden sehr stark von der Nahrung beeinflusst und die unterscheidet sich meist deutlich für Tiere in menschlicher Obhut insbesondere auch dadurch, dass solche Tiere oft ganzjährig regelmäßig gefüttert werden während Wildlebende oft saisonbedingten Abweichungen bei der Ernährung ausgesetzt sind.

Literatur

Balsamo, R. A., M. D. Hofmeyr, B. T. Henen & A. M. Bauer (2004): Leaf biomechanics as a potential tool to predict feeding preferences of the geometric tortoise Psammobates geometricus. – African Zoology 39: 175-181 oder Abstract-Archiv.

Bidmon, H.-J. (2009) Ernährungsgrundlagen und Darmpassagezeiten bei herbivoren Landschildkröten – oder wie selektierende Nahrungsgeneralisten auch unter extremen Bedingungen überleben: Eine Übersicht. Schildkröten im Fokus 6(1): 3–26.

Goessling, J. M., C. Guyer & M. T. Mendonca (2017): More than Fever: Thermoregulatory Responses to Immunological Stimulation and Consequences of Thermoregulatory Strategy on Innate Immunity in Gopher Tortoises (Gopherus polyphemus). – Physiological and Biochemical Zoology 90: 484–493 oder Abstract-Archiv.

Hazard, L. C., D. R. Shemanski & K. A. Nagy (2010): Nutritional Quality of Natural Foods of Juvenile and Adult Desert Tortoises (Gopherus agassizii): Calcium, Phosphorus, and Magnesium Digestibility. – Journal of Herpetology 44(1): 135–147 oder Abstract-Archiv.

Henen, B. T., M. D. Hofmeyr, R. A. Balsamo & F. M. Weitz (2005): Lessons from the food choices of the endangered geometric tortoise Psammobates geometricus. – South African Journal of Science 101 (9–10): 435–438 oder Abstract-Archiv.

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