Loehr, V. J. T. (2010): Structure and Dynamics of a Namaqualand Speckled Tortoise (Homopus signatus signatus): Population over 5 Years of Rainfall Variation. – Chelonian Conservation and Biology 9(2): 223-230.

Struktur und Dynamik der Namaqualand Flachschildkröte (Homopus signatus signatus): Die Population während fünf Jahren mit unterschiedlichen Regenfällen.

DOI: 10.2744/CCB-0817.1

Homopus signatus signatus ist eine kleine Landschildkröte, die endemisch im trockenen Nordwesten Südafrikas lebt, wo ihr Verbreitungsgebiet durch zunehmende Aridifizierung (Trockenheit) gefährdet ist. Es ist unklar, wie diese Art auf die Austrocknung ihres Habitats reagieren wird, was nahe legt, dass eine Populationsüberwachung angebracht ist. Um eine Populationsanalyse durchzuführen, unternahm ich eine Markierungs-Wiederfang-Studie, die über 5 Jahre dauerte und Jahre mit Regenmengen beinhaltet, die sowohl über als auch unter dem Durchschnitt lagen. Erfasst wurden Struktur, Häufigkeit (Abundanz), Überlebensrate und die Auswirkungen von Regenfällen. Die Population zeigte ein kontinuierliches Vorhandensein und eine Verteilung aller Größenklassen, wobei die Häufigkeit von Männchen, Weibchen und Juvenilen gleich war, was andeutet, dass es sich um eine überlebensfähige Population handelt, die sich reproduziert und in der Schlüpflinge bis zum Adultstadium heranwachsen. Die Population bestand aus transienten (durchwandernden) und ortsansässigen Individuen, wobei die Abundanz 16-21 Landschildkröten pro Hektar betrug. Hohe Frühjahrsaktivität resultierte in hohen Wiederfangraten (0,35-0,94), die zwischen den Jahren schwankten, was aber durch unterschiedliche Suchvorhaben in verschiedenen Jahren verursacht wurde. Die apparente jährliche Überlebensrate von ortsansässigen Schildkröten ist abhängig von der Gruppe und stieg mit zunehmenden Panzervolumen bei einer Spanne von 0,74 bis 0,99 an. Obwohl die Weibchen das größere Geschlecht repräsentierten, lag ihre Überlebensrate leicht unter jener der Männchen, was vermutlich an deren höherer Aktivität in Bezug zur Nahrungsaufnahme liegt, die sie zur Produktion großer Eier brauchen. Die Regenfälle selbst hatten nur einen geringen Einfluss auf die apparente Überlebensrate, was nahe legt, dass die physiologischen Anpassungen an die von H. s. signatus erlebte Trockenheit so effektiv sind, dass sie ihnen das Überleben ermöglichen. Als Konsequenz lässt sich feststellen, dass die empfohlenen Erhaltungsmaßnahmen greifen, die das Überleben der Adulten verbessern sollen, und der Mortalität während der derzeitigen periodischen Trockenphasen sowie den negativen Auswirkungen der Aridifizierung auf die Reproduktion entgegenwirken.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Hierbei handelt es sich wieder um eine schöne Arbeit zum Überleben von Landschildkröten in einem ariden Lebensraum. Sicherlich wissen ja viele hierzulande durch die Vorträge des Autors, dass dieses Habitat gar nicht so karg und vegetationsarm ist, sobald es Regen gibt – also den Schildkröten durchaus gute Nahrungsressourcen bieten kann (s. Loehr 2006). Allerdings zeigt sich auch hier in dieser Arbeit, dass Weibchen zur Eianlage mehr Nahrung brauchen und dass diese meist nur saisonal verfügbar ist, wohingegen lange Perioden ohne Nahrung relativ inaktiv im Stadium der Aestivation zugebracht werden müssen. Insofern zeigt uns auch dieses Beispiel wieder, dass diese Landschildkröten durchaus keine Kostverächter sind, aber daran angepasst sind, lange Dürrezeiten im Jahreszyklus zu überstehen. Die meisten Schildkröten aus solch saisonal geprägten Lebensräumen aller Kontinente scheinen bei der Gefangenschaftshaltung ein wesentliches Problem mit Verfettung zu haben (siehe auch Hainz & Rafalowski 2011), was aber sicherlich nicht primär an zu guter Nahrung zu liegen scheint, sondern eher daran, dass diese Nahrung aufgrund der fehlenden oder wesentlich zu kurzen Ruhephasen wie Aestivation und/oder Hibernation zu lange im Jahreszyklus aufgenommen wird. Die Schildkröten sind daran angepasst, vielseitige Nahrung optimal zu nutzen (siehe auch McMaster & Downs 2008) und wie hier angedeutet, benötigen sie diese für eine optimale Reproduktion (größere Eier, gleich größere Schlüpflinge, gleich höhere Überlebenschance, siehe auch O'Brien et al. 2005). Aber das gilt eben nur für relativ kurze Zeiträume. Wir sollten uns also klar darüber werden, dass wir bei der Haltung eben doch meist andere Bedingungen realisieren, als sie den Tieren aus dem natürlichen Lebensraum bekannt sind. Und deshalb müssen wir uns überlegen, ob das so genannte „Großhungern“, anstelle angemessener saisonaler Ruhephasen wirklich eine richtige Taktik ist. Genauso wie das Auftreten entsprechender Probleme nicht nur eine Frage einer fehlerhaften oder einseitigen Ernährung sein muss, sondern oft genug an der Haltung insgesamt liegt, also an Fehlern beim Zusammenspiel von Nahrungszusammensetzung und -menge mit saisonalen Faktoren wie Temperaturen, Feuchtigkeit und Aktivitäts- bzw. Ruhephasen.

Literatur

Hainz, P. & G. Rafalowski (2011): Die Costa-Rica-Pracht-Erdschildkröte, Rhinoclemmys pulcherrima manni – Eine Bewertung von Freiland- versus Zimmerhaltung und Zucht. – Radiata 20(1): 2-37.

Loehr, V. J. T. (2006): Natural diet of the namaqualand speckled padloper (Homopus signatus signatus). – Chelonian Conservation and Biology 5(1): 149-152 oder Abstract-Archiv.

McMaster, M. K. & C. T. Downs (2008): Digestive parameters and water turnover of the leopard tortoise. – Comparative Biochemistry and Physiology – Part A Molecular and Integrative Physiology 151(1): 114-125 oder Abstract-Archiv.

O'Brien, S., B. Robert & H. Tiandray (2005): Hatch size, somatic growth rate and size-dependent survival in the endangered ploughshare tortoise. – Biological Conservation 126(2): 141-145 oder Abstract-Archiv.

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