Lindemann, D. M., M. C. Allender, D. Thompson, L. Adamovicz & E. Dzhaman (2018): Development and validation of a quantitative PCR assay for detection of Emydoidea herpesvirus 1 in free-ranging Blanding's turtles (Emydoidea blandingii). – Journal of Virological Methods 254: 40-45.

Die Entwicklung und Validierung eines quantitativen PCR-Assays zur Bestimmung des Emydoidea-Herpesvirus 1 bei freilebenden Blanding’s-Schildkröten (Emydoidea blandingii).

DOI: 10.1016/j.jviromet.2018.01.006 ➚

Amerikanische Sumpfschildkröte, Emydoidea blandingii, – © James Harding
Amerikanische Sumpfschildkröte,
Emydoidea blandingii,
© James Harding

Blanding's-Schildkröten (Emydoidea blandingii) zählen zu den bedrohten Spezies in Illinois und sie sind von einem starken Rückgang im gesamten Verbreitungsgebiet betroffen der durch Habitatdegeneration und Fragmentierung sowie durch Beutegreifer und den Straßentod bedingt wird. Während in derzeitigen Studien meist die wichtigen Parameter zur natürlichen Verbreitungsgeschichte und zur Demographie in diesen fragmentierten Populationen von Illinois untersucht werden wurden bislang die Gefahren durch infektiöse Erkrankungen nicht adressiert. Herpesvirusausbrüche gehen weltweit einher mit einer starken Schwächung und einer hohen Mortalität bei in Gefangenschaft gehaltenen Populationen von Land- und Wasserschildkröten einschließlich derer aus der Familie der Emydidae (Sumpf- und Dosenschildkröten). Allerdings neue Herpesviren einschließlich der Typen Terrapene-Herpesvirus 1, Emydid-Herpesvirus 1 und 2 sowie Glyptemys-Herpesvirus 1 und 2 wurden erst jüngst in noch anscheinend gesunden wildlebenden Süßwasserschildkröten nachgewiesen. In 2015 wurden 20 wildlebende Blanding's-Schildkröten im DuPage County, Illinois auf Herpesviren mit einer Konsensus-PCR untersucht. Dabei wurde eine neue Herpesvirusart (Emydoidea-Herpesvirus 1; EBHV1) bei 2 der Tiere identifiziert. Dieser neue EBHV1 zeigte eine hohe Sequenzhomologie mit anderen Süßwasserschildkröten-Herpesviren. Zwei quantitative Real-Time PCR-Assays wurden mit den EBHV1-Primer-1 und Primer-2 entwickelt um gezielt EBHV1-spezifische Segmente der DNS-abhängigen DNS Polymerasegene nachzuweisen und zu validieren. Beide Assays waren hoch effizient (slope = -3.2; R2 = 1), hatten eine niedrige Intraassayvariabilität und eine niedrige Interassayvariabilität (Koeffizient für Variation <2% bei allen getesteten Verdünnungen). EBHV1-Primer-2 zeigte die niedrigste Abweichung und wurde dazu benutzt klinische Proben und fünf naheverwandte Herpesvirus-Kontrollproben zu untersuchen. Die Ergebnisse zeigten, dass dieser Assay spezifisch für EBHV1 ist und dass er eine lineare Nachweisspannbreite von 108-101 Viruskopien pro Reaktion hat und dass er damit so sensitive ist, dass er theoretisch eine einzige Viruskopie pro Reaktion (Testansatz) nachweisen kann. Dieser qPCR-Assay stellt ein sehr hilfreiches Instrument zur zukünftigen Charakterisierung der EBHV1-Epidemiologie dar.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine schöne praktische Arbeit zur Gesundheitsüberwachung von Emydoidea blandingii-Populationen die uns aber auch mal wieder daran erinnern sollte, dass sich solche Viren weiterentwickeln und sich den Wirtsspezies anpassen. Letzteres kann aber auch bedeuten, dass sie trotzdem in der Lage sind andere Arten zu infizieren, die dann erkranken können. Ob solche weiter spezifizierten Herpesviren dann noch mit jedem Test nachgewiesen werden können bleibt fraglich, sodass trotz der normalerweise durchgeführten Tests für Schildkrötenherpesvirus-1 ein Restrisiko bestehen bleibt.

Galerien

 

Seitenanfang