Strahlenschildkröte, Astrochelys radiata, ein Männchen frisst Blätter des Spindelstrauchs oder Pfaffenhütchens, Euonymus europaeus, – © Hans-Jürgen Bidmon

Leuteritz - 2005 - 02

Leuteritz, T. E. J. & R. Ravolanaivo (2005): Reproductive ecology and egg production of the radiated tortoise (Geochelone radiata) in southern Madagascar. – African Zoology 40(2): 233-242.

Reproduktionsökologie und Eiproduktion bei der Strahlenschildkröte (Geochelone radiata) im südlichen Madagaskar.

DOI: 10.1080/15627020.2005.11407322 ➚

Strahlenschildkröte, Astrochelys radiata, – © Hans-Jürgen Bidmon
Strahlenschildkröte,
Astrochelys radiata,
© Hans-Jürgen Bidmon

Wir untersuchten die Reproduktionsbiologie wild lebender Geochelone radiata im Cap Sainte Marie Special Reserve Reservat im Südwesten Madagaskars, um einen Einblick in ihr Reproduktionsverhalten und ihren Reproduktionserfolg zu bekommen. Das Reproduktionsverhalten wurde während zweier aufeinander folgender Reproduktionszyklen beobachtet, und die Eiproduktion wurde dabei an mit Sendern bestückten Weibchen in regelmäßigen Intervallen untersucht. Insgesamt fingen und markierten wir im Untersuchungsgebiet 1.438 Strahlenschildkröten, von denen 26 % adult waren. Die Balz- und Paarungsaktivität sowie die Eiablage waren an die Regenzeit gebunden, und die Paarungsaktivität war im Dezember am höchsten, kurz bevor die Weibchen im Januar mit der Eiablage begannen. Die Inkubationsperiode betrug ungefähr 263-342 Tage, wobei die Schlüpflinge nach dem Einsetzen der ersten Regenfälle die Nester verließen, wenn neue Pflanzen keimten und austrieben. Der Schlupferfolg (Schlupfrate) war hoch, und die zufällige Zerstörung von Nestern durch den Menschen spielte eine größere Rolle als die durch Beutegreifer. Die individuellen Weibchen produzierten pro Saison 0 bis 3 Gelege, mit 1-5 Eiern pro Gelege. Die Körpergröße der Weibchen hatte eine geringe Auswirkung auf die Gelegegröße, aber in dem wesentlich trockeneren Jahr 2000 war die Gelegegröße geringer als in dem wesentlich regenreicheren Jahr 1999, was darauf schließen lässt, dass die Ressourcen- (Nahrungs-) Verfügbarkeit einen Einfluss hat. Die durchschnittliche Eigröße vergrößerte sich signifikant mit der Körpergröße der Weibchen. Diese Ergebnisse lassen erkennen, dass insbesondere der Schutz großer Weibchen bei den Erhaltungs- und Schutzmaßnahmen für diese Spezies im Vordergrund stehen sollte.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Diese Arbeit gibt einem einen sehr guten Einblick in die Reproduktionsbiologie von Strahlenschildkröten, wobei insbesondere auffällt, dass die hohe Schlupfrate von immerhin 66,7 % wesentlich höher liegt, als dies bei den meisten unter Gefangenschaftsbedingungen zu beobachten ist. Neben der bevorzugten Anlage der Nester in offenen Gelände (deshalb wohl auch die gehäufte Zerstörung durch menschliche Aktivität wie befahrbare offene Pfade) wird auch berichtet, dass selbst Nester erfolgreich schlüpften, in denen während der Inkubationsperiode zeitweise Temperaturen von maximal 42,9 ºC erreicht wurden. Zudem wird in der Arbeit berichtet, dass nicht nur Eigröße und Schlupferfolg von der Größe der Weibchen beeinflusst werden, sondern dass der Paarungserfolg von der Größe der Männchen abhängt, und große Männchen dabei erfolgreicher sind. Bedenkt man, dass die Überlebensfähigkeit der Schlüpflinge wie für G. yniphora beschrieben (O'Brien et al. (2005)) von deren Körpergröße abhängt, scheint es durchaus sinnvoll, sich insbesondere für den Schutz sehr großer Tiere einzusetzen, die ja gerade auch für die Fleischgewinnung von besonderem Interesse bei Wilderern sind.

Literatur

O'Brien, S., B. Robert & H. Tiandray (2005): Hatch size, somatic growth rate and size-dependent survival in the endangered ploughshare tortoise. – Biological Conservation 126(2): 141-145 oder Abstract-Archiv.

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