Lara, N. R. F.; T. S. Marques, K. M. Montelo, A. G. de Ataides, L. M. Verdade, A. Malvasio & P. B. de Camargo (2012): A trophic study of the sympatric Amazonian freshwater turtles Podocnemis unifilis and Podocnemis expansa (Testudines, Podocnemidae) using carbon and nitrogen stable isotope analyses. – Canadian Journal of Zoology – Revue Canadienne de Zoologie 90: 1394–1401.

Eine Ernährungsstudie für die beiden sympatrischen amazonischen Wasserschildkröten, Podocnemis unifilis und Podocnemis expansa (Testudines, Podocnemidae) anhand der Stabilen Isotpoenanalyse für Stickstoff und Kohlenstoff.

Die Terekay-Schienenschildkröte (Podocnemis unifilis, Troschel, 1848) und die Arrau- Schienenschildkröte (Podocnemis expansa (Schweigger, 1812)) stellen zwei Schildkrötenarten dar, die ein weites Verbreitungsgebiet im amazonischen Becken aufweisen, in dem sie sowohl ökologisch als auch ökonomisch und kulturell von ziemlicher Bedeutung sind. Obwohl sie in den meisten Teilen des Verbreitungsgebiets sympatrisch vorkommen, gibt es nur wenige Studien, die die Koexistenz beider Arten untersucht haben. Um dies zu tun, analysierten wir die trophischen Ebenen (Ernährungs(ebenen)grundlagen) und die primären Kohlenstoffressourcen der Nahrung beider Spezies in Baixo Araguaia, Tocantins, Brasilien, mit der Stabilen Isotopenanalyse für Kohlenstoff (delta C-13) und Stickstoff (delta N-15). Wir untersuchten mögliche intraspezifische Unterschiede in Bezug auf die Ernährung, die mit dem Geschlecht oder der Körpermasse im Zusammenhang stehen für die Ernährungsebenen und in Bezug auf die Herkunft des Kohlenstoffs in der Nahrung. Podocnemis unifilis zeigte höhere Mengen an delta N-15 als P. expansa, im Schnitt 7,59 Teile pro tausend und 5,06 Teile pro tausend, was auf Unterschiede in der Nahrung und der Nutzung unterschiedlicher Nahrung hinweist. Es ergaben sich keine Unterschiede zwischen beiden Spezies in Bezug auf die delta C-13 Werte (Mittelwerte -26,2 Teile pro tausend und -26,1 Teile pro tausend). Die Gleichwertigkeit bei den delta C-13 Werten lässt vermuten, dass sie die gleiche Ernährungsgrundlage nutzen, die hauptsächlich aus C-3 Pflanzen besteht. Es gab auch keine intraspezifischen Unterschiede bei den Werten für delta C-13 und delta N-15.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Wenn solch generelle Studien auch noch nicht die eigentlichen Nahrungspflanzen listen können, so liefern sie doch schon wesentliche Informationen, die zeigen, dass die Pflanzennahrung innerhalb der jeweiligen Schildkrötenart für beide Geschlechter und für alle Größenklassen gleich ist. Wir wissen also, dass sich Jungtiere genauso ernähren wie ihre Eltern, was sich vielleicht auch daraus schließen lässt, dass die Jungtiere mit ihren Mütter kommunizieren und wandern (Ferrara et al. 2012). Es ist also für diese Wasserschildkröten anders als es z.B. für Trachemys beschrieben ist (siehe Bouchard & Bjorndal (2006). Ebenso lernen wir, dass Podocnemis unifilis anscheinend stickstoffreichere (=proteinreichere Pflanzen) nutzen als P. expansa, und man unschwer sieht, wissen wir damit schon mehr über die Ernährungsunterschiede, als wir es für die uns seit vielen Jahrzehnten vertrauten Europäischen Landschildkrötenarten tun, weil bei diesen solche grundlegenden, die allgemeinen Ernährungsunterschiede adressierenden Studien bislang fehlen.

Literatur

Bouchard, S. S. & K. A. Bjorndal (2006): Ontogenetic Diet Shifts and Digestive Constraints in the Omnivorous Freshwater Turtle Trachemys scripta. – Physiological and Biochemical Zoology 79 (1): 150–158 oder Abstract-Archiv.

Ferrara, C. R., R. C. Vogt & R. S. Sousa-Lima (2012): Turtle Vocalizations as the First Evidence of Posthatching Parental Care in Chelonians. – Journal of Comparative Psychology, 127 (1): 24–32 oder Abstract-Archiv.