Kuchling, G., E. Goode & P. Praschag (2011): Endoscopic Imaging of Gonads, Sex Ratio and Temperature Dependent Sex Determination in Captive Bred Juvenile Burmese Star Tortoises Geochelone platynota. – Asiatic Herpetological Research 2 (4): 240–244.

Endoskopische Darstellung der Gonaden, Geschlechterverhältnis und temperaturabhängige Geschlechtsfestlegung bei in menschlicher Obhut gehaltenen Burmesischen Sternschildkröten, Geochelone platynota.

Das mögliche Vorhandensein einer temperaturabhängigen Geschlechtsfestlegung macht es notwendig, dass man bei Nachzuchtprogrammen für gefährdete Schildkröten das Geschlechterverhältnis der Nachzuchten untersucht. Wir untersuchten hier das Geschlechterverhältnis bei juvenilen Burmesischen Sternschildkröten, Geochelone platynota, durch die direkte Inspektion der Gonaden (Geschlechtsanlagen) mittels eines Endoskops. Dazu wurden Nachzuchten aus dem Nachzuchtprogramm des Behler Chelonian Centers (BCC) in Kalifornien untersucht. Die Gonaden von kleinen juvenilen G. platynota sind dünn und länglich und an der dorsalen Wand der Körperhöhle aufgehängt, wobei die Ovarien (Eierstöcke) als transparente Lagen von Oozyten zu erkennen sind, während die Hoden als transparente, dünne, würstchenförmige Strukturen umgeben von einem Netz feiner Blutgefäße zu erkennen sind. Mit zunehmendem Wachstum erweitern sich die Ovarien und enthalten Massen von prae-vitellogenen Follikeln (vor der Dottereinlagerung befindliche Eizellen oder Sekundärfollikel), die an der Oberfläche liegen. Die transparenten Hoden der kleinen Jungtiere verfärben sich pink-weißlich und später gelblich. Es zeigen sich durch die dünne, transparente Theka tubuläre Strukturen mit ihrem feinen Blutgefäßnetz. Obwohl die Inkubationstemperaturen für die Eier nicht konsequent und durchgängig aufgezeichnet worden waren, schlüpften aus den Eiern, die bei ca. 28,9 ºC inkubiert worden waren, hauptsächlich Männchen, während jene, die bei einer Temperatur von 30 ºC inkubiert worden waren, ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis hervorbrachten. Diese Befunde deuten an, dass G. platynota eine temperaturabhängige Geschlechtsfestlegung aufweist.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine schöne, durchaus sinnvolle Untersuchung, die zwar, wie die Autoren selbst in der Diskussion feststellen, noch keine exakte Angabe einer Pivotaltemperatur für G. platynota, aber erste Anhaltspunkte für die Zucht liefert. Insofern scheint man auch bei dieser Art – wie auch bei anderen Arten aus ähnlichen Klimaten – davon ausgehen zu können, dass sich bei einer Inkubationstemperatur über 31,5 ºC weibliche Schlüpflinge entwickeln. Insofern zeichnen sich für diese Art ähnlich konstante Inkubationbedingungen ab wie für G. elegans, um Weibchen zu erbrüten (Bidmon 2002). Aber auch hier sollte man davon ausgehen, dass sehr wahrscheinlich bei schwankenden Inkubationstemperaturbedingungen, auch bei im Mittel niedriger liegenden Temperaturen Weibchen zu erwarten sind. Zumindest deuten die spärlichen Angaben zu beobachteten Eiablagen im natürlichen Lebensraum an, dass die Eiablagen dort zu einer Zeit erfolgen, zu der die Gelege noch deutlichen circadianen Temperaturschwankungen unterliegen können. Siehe auch: Baxter et al. (2008), Ewert et al. (2004) und Leuteritz & Ravolanaivo (2005).

Literatur

Baxter, P. C., D. S. Wilson & D. J. Morafka (2008): Effects of nest date and placement of eggs in burrows on sex ratios and potential survival of hatchling desert tortoises, Gopherus agassizii. – Chelonian Conservation and Biology 7 (1): 52–59 oder Abstract-Archiv.

Bidmon, H.-J. (2002): Die Indische Sternschildkröte Geochelone elegans (Schoepff, 1795), eine problematische tropische Landschildkröte? Mehrjährige Haltung und Vermehrung in Deutschland. Teil 3: Nachzucht. – Reptilia 7 (2): 56–62.

Ewert, M. A., R. E. Hatcher & J. M. Goode (2004): Sex determination and ontogeny in Malacochersus tornieri, the pancake tortoise. – Journal of Herpetology 38: 291–295 oderSiF 1 (4) 2004.

Leuteritz, T. E. J. & R. Ravolanaivo (2005): Reproductive ecology and egg production of the radiated tortoise (Geochelone radiata) in southern Madagascar. – African Zoology 40: 233–242 oder Abstract-Archiv.

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