Koch, A. U., M. L. Guinea & S. D. Whiting (2007): Effects of sand erosion and current harvest practices on incubation of the flatback sea turtle (Natator depressus). – Australian Journal of Zoology 55 (2): 97-105.

Einflüsse der Sanderosion und der derzeitigen Erntepraxis auf die Inkubation der Australischen Suppenschildkröte (Natator depressus)

Eine geeignete gasförmige, hydrologische und thermale Nestumgebung ist essentiell für die Entwicklung der Embryonen von Meeresschildkröten. Die Entnahme von einigen Eiern pro Nest durch die einheimische Bevölkerung sowie die Veränderungen in Bezug auf die Nesttiefe, die durch Winderosion vorkommt, warfen Fragen auf, in wieweit die Nestgröße und Nesttiefe die Schlüpflingsentwicklung und den Schlupferfolg beeinflussen. Wir untersuchten den Einfluss der reduzierten Gelegegröße und die Nesttiefe bei der Australischen Suppenschildkröte (Natator depressus), in einer Zuchtstation an einem natürlichen Niststrand unter Verwendung von Gelegegrößen von 10, 30 und 50 Eiern, platziert in Tiefen von 25, 35 und 50 cm. Die Schlüpflinge wurden sofort nach dem Erscheinen an der Oberfläche gesammelt, und es wurde ihre Größe, Masse, morphometrischen Maße und deren Beweglichkeit gemessen. Weder die Gelegegröße, noch die Nesttiefe hatten einen signifikanten Einfluss auf den Schlupferfolg oder die Beweglichkeit. Kleinere Gelege zeigten eine längere Inkubationszeit einhergehend mit einer niedrigeren Nesttemperatur vermutlich durch die geringere Menge an metabolischer Abwärme (Stoffwechselwärme), die in kleineren Gelegen produziert wird. Schlüpflinge aus tieferen Nestern kamen später in der Nacht an die Oberfläche als jene aus flacher gelegenen Nestern. Innerhalb dieser Studie zeigte sich, dass weder die Veränderung der Gelegegröße noch Veränderungen in der Nesttiefe einen nachteiligen Einfluss für das Schicksal der verbliebenen Eier und die Kondition der Schlüpflinge hatten.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Nun, wenn die Verringerung der Nestgröße zu einer Verringerung der Nesttemperatur und zu längerer Inkubationszeit führt, ist davon auszugehen, dass bei Arten mit TSD eine Verschiebung im Geschlechterverhältnis hin zu mehr Männchen erreicht werden kann. Vielleicht kann sogar eine Veränderung in den Gelegegrößen dazu benutzt werden, die Auswirkungen der globalen Erderwärmung zu kompensieren und somit wieder zu einem ausgeglicheneren Geschlechterverhältnis zu kommen. Man wird sehen, welch adaptive Anpassungen der durch die globale Erwärmung bedingte Selektionsdruck mit sich bringen wird.

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