Kindler, C., M. Moosig, W. R. Branch, J. Harvey, C. Kehlmaier, Z. T. Nagy, H. Prokop, P. Siroky & U. Fritz (2016): Comparative phylogeographies of six species of hinged terrapins (Pelusios spp.) reveal discordant patterns and unexpected differentiation in the P. castaneus/P. chapini complex and P. rhodesianus. – Biological Journal of the Linnean Society 117(2): 305-321.

Eine vergleichende Phylogeographie für sechs Arten der Klappschildkröten (Pelusios spp.) ergab ein diskordantes Muster und eine unerwartete Differenzierung im P. castaneus/P. chapini Komplex und bei P. rhodesianus.

DOI: 10.1111/bij.12647

Unter Verwendung von 2117 bp mitochondrialer DNS und bis zu 2012 bp nukleärer DNS analysierten wir die phylogeographische Differenzierung bei sechs weitverbreiteten Arten der afrikanischen Klappschildkröten (Pelusios spp.) aus unterschiedlichen Habitattypen. Je zwei Taxa besiedeln Savannen- oder Waldhabitate und Feuchtsavannen und die restlichen zwei Spezies besiedeln intermediäre Habitate. Die Arten die in Wäldern und Feuchtsavannen leben besiedeln nie Trockensavannen, wohingegen Arten die in Savannen leben durchaus auch in Trocken- und Feuchtsavannen zu finden sind wobei sie auch semiaride Steppenregionen besiedeln. Wir fanden keine offensichtliche Korrelation zwischen Habitattyp und dem phylogeographischen Muster: Eine savannenbesiedelnde Art (P. rhodesianus) zeigte eine phylogeographische Struktur wie z. B. eine deutliche genetische Differenzierung zwischen den geographisch distinkten, getrennten Populationen und die andere Art (P. nanus) zeigte dies nicht. Eine Spezies die Wälder und Feuchtsavannen bewohnt (P. carinatus) hat eine phylogeographische Struktur während die andere Art (P. gabonensis) keine aufweist. Gleiches trifft auch für das Muster der zwei ökologisch intermediären Arten zu wobei P. castaneus eine phylogeographische Struktur aufweist die P. chapini aber fehlt. Nukleäre Nachweise lassen vermuten, dass die letzten zwei Taxa mit den aneinandergrenzenden und überlappenden Lebensräumen als distinkt anzusehen sind während die mtDNS nur eine schwache Differenzierung erkennen lässt. Pelusios castaneus zeichnet sich durch eine starke phylogeographische Struktur aus, die möglicherweise auf eine im Pleistozän erfolgte Verbreitungsgebietstrennung zurückzuführen ist und die korreliert ist mit dem Wechsel an Waldflächen in West- und Zentralafrika. Unsere Ergebnisse unterstützen nicht die Anerkennung einer ausgestorbenen Unterart von P. castaneus auf den Seychellen. Pelusios carinatus beinhaltet zwei gut abgesicherte Kladen die durch den Kongofluss getrennt sind. Diese Spezies ist auch nahe verwandt zu P. rhodesianus, einem Taxon welches sich durch zwei weit getrennte mitochondriale Kladen auszeichnet. Eine dieser Kladen ist paraphyletisch im Hinblick auf P. carinatus, aber die zwei Kladen von P. rhodesianus unterscheiden sich nicht in Bezug auf die nukleären Marker, die aber wiederum die Paraphylie im Hinblick zu P. carinatus zeigen. Anhand der mtDNS-Sequenzen vom Typusmaterial für P. rhodesianus konnten wir den Namen einer der beiden Kladen zuweisen. Allerdings in Bezug auf die unklaren Verwandtschaftsbeziehungen zwischen P. rhodesianus und P. carinatus halten wir uns zurück in Bezug auf taxonomische Zuweisungen.

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