Hofmeyr, M. D., B. T. Henen & V. J. T. Loehr (2005): Overcoming environmental and morphological constraints: egg size and pelvic kinesis in the smallest tortoise, Homopus signatus. – Canadian Journal of Zoology – Revue Canadienne de Zoologie 83(10): 1343-1352.

Bewältigung von Einschränkungen in der Umwelt und der Morphologie: Eigröße und Beckenbodenbeweglichkeit bei der kleinsten Landschildkröte, Homopus signatus

DOI: 10.1139/z05-132

Die kleinste Landschildkröte Südafrikas beschränkt sich auf nur ein testudines Taxon welches eineiige Gelege produziert. Zu dieser Gruppe gehört auch die kleinste Landschildkröte der Welt, Homopus signatus (Gmelin, 1789), welche eine unwirtliche Umwelt bewohnt. Klima und Körpergröße können die Reproduktionsrate beeinflussen, so dass wir die Hypothese aufstellten, dass der Ost-West-Trockenheitsgradient, der in Südafrika besteht, sich auf die Eigröße und die Gelegegröße bei der kleinen endogen-vorkommenden Landschildkröte auswirkt, wobei die Morphologie (Körpergestalt) von H. signatus die Eigröße einschränkt, so dass optimal große Eier nicht gebildet werden können. Wir zeigen in dieser Arbeit, dass der Grad der Trockenheit (Aridität) und unregelmäßige Regenfälle bestimmend dafür sind, welche der Landschildkröten Taxa eineiige Gelege produzieren. Arten, die in einer Umwelt mit unvorhersagbaren Wetterbedingungen leben, bilden in Bezug auf ihre Körpergröße größere Eier als solche, die unter vorhersagbaren Klimabedingungen leben. Homopus signatus produziert in Bezug auf die Körpergröße, das größte Ei, möglicherweise, um damit die Überlebensfähigkeit der Nachkommen unter extrem rauen Umweltbedingungen zu erhöhen. Die Körpergröße, die Größe der Beckenöffnung sowie die geringe Größe des Analspalts (zwischen Carapax und Plastron) scheinen dabei die Eigröße einzuschränken. Trotz dieser morphologischen Begrenzungen produzieren die Weibchen ein hartschaliges Ei, das größer ist als der Austrittskanal in deren Becken, wobei sie die Beweglichkeit des Beckens nutzen, um das Ei ablegen zu können: Beides ist von anderen Schildkröten unbekannt und lässt vermuten, dass große Eier für H. signatus einen selektiven Vorteil darstellen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Sicher eine sehr schöne Arbeit, die uns vor Augen führt, wie diese Tiere an ihren Lebensraum angepasst sind. Allerdings kann ich den Autoren nur soweit folgen, dass solche morphologischen Anpassungen für andere Landschildkröten vielleicht noch nicht beschrieben wurden, dass heißt aber noch lange nicht, dass diese sich nur auf Homopus signatus beschränken. Denn jeder, der Spinnenschildkröten nachgezogen hat, wird gemerkt haben, dass auch bei ihnen der hinter Plastronabschnitt vor der Eiablage beweglicher wird. Gleiches gilt bedingt auch für Sternschildkröten und auch für Testudo marginata und sicher auch für einige weitere Spezies, selbst wenn deren Eier bezogen auf die Körpergröße nicht ganz so extrem sind wie bei H. signatus.

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