Hetenyi - 2016 - 01

Hetenyi, N., E. Andrasofsky & I. Hullar (2016): Investigations concerning the voluntary dry matter intake, passage time, and the nutrients' digestibility in Hermann's tortoises (Testudo hermanni). – Magyar Állatorvosok Lapja 138: 307-312.

Untersuchungen zur freien Trockengewichtaufnahme, der Passagezeit und Nahrungsverdaubarkeit bei Griechischen Landschildkröten (Testudo hermanni).

DOI: None

Griechische Landschildkröte, Testudo hermanni boettgeri, – © Hans-Jürgen Bidmon
Griechische Landschildkröte,
Testudo hermanni boettgeri,
© Hans-Jürgen Bidmon

Informationen über die freiwillige Trockengewichtaufnahme (DM), die Darmpassagezeit und die Verdaubarkeit der Nahrung können dazu beitragen Schildkröten adäquat zu versorgen und ein zu schnelles Wachstum durch Überfütterung zu verhindern. Das Ziel der Studie war es die freiwillig aufgenommene Nahrungsmenge als DM zu bestimmen und deren Darmpassagezeit bei der Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni) zu ermitteln und zu prüfen, ob man die Verdaubarkeit mit der Methode des Sammelns der kompletten Kotmenge feststellen kann. Es wurden dazu 12 männliche Landschildkröten in individuelle Plastikterrarien gesetzt. Dann wurden drei verschiedene Pflanzen als Futter gereicht (in Scheiben geschnittene Gurken, Salat und Löwenzahn) und es wurde die Menge der gefressenen Nahrung bestimmt. Die DM-Menge in Prozent zum jeweiligen Körpergewicht war für Salat wesentlich höher als für Gurke und Löwenzahn. Die Darmpassagezeit war bei den Tieren die Gurke bekamen wesentlich kürzer als bei den anderen Futtersorten. Die meisten Schildkröten (bei allen drei Futtersorten) verzehrten ihren Kot wieder, sodass die Verdaubarkeit nicht bestimmt werden konnte. Anhand dieser Ergebnisse lässt sich feststellen, dass die ad libidum Fütterung von Salat nicht zu empfehlen ist. Ebenso kann die Methode der kompletten Kotsammlung nicht zuverlässig bei Schildkröten eingesetzt werden.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Nun kann man ja viel spekulieren, ob man in einer veterinärmedizinischen Fakultät in einem EU-Staat nicht die Möglichkeit hätte bessere Experimente zu konzipieren. Allerdings sagte mir die Erstautorin selbst, dass das immer noch die häufigsten Futtermittel für Landschildkröten in Ungarn seien. Eigentlich bedauerlich, denn selbst die Nachstellung dieser Fütterung liefert ja keine verwertbaren Erkenntnisse zur Verbesserung. Dass die Schildkröten ihren Kot insbesondere bei dieser Ernährung fressen ist auch kein Wunder, denn viele Schildkröten tun dies in Ermangelung an Ballaststoffen oder um die Proteinaufnahme dadurch zu steigern, dass die im Kot vorhanden proteinreicheren Darmbakterien bei erneuter Aufnahme und der erneuten Magen- und Dünndarmpassage mitverdaut werden können. Nun hoffen wir mal, dass die von der Autorin angekündigten Nachfolgestudien hilfreichere Ergebnisse für die Haltungsoptimierung erbringen. Allerdings glaube ich nicht daran, dass man allein durch die Fütterung und ohne Berücksichtigung entsprechender Ruhephasen wechselwarme Schildkröten optimal halten kann, ohne dass es dabei zu unnormal schnellem Wachstum oder bei Futterrestriktion trotz anhaltender Aktivität zu Krankheitsanfälligkeit kommt. Siehe auch Kommentare und die dort zitierte Literatur zu Ritz et al. (2009, 2012).

Literatur

Ritz, J., C. Hammer & M. Clauss (2009): Body size development of captive and free-ranging leopard tortoises (Geochelone pardalis). – Zoo Biology 29(4): 517-525 oder Abstract-Archiv.

Ritz, J., M. Clauss, W. J. Streich & M. Hatt (2012): Variation in Growth and Potentially Associated Health Status in Hermann’s and Spur-Thighed Tortoise (Testudo hermanni and Testudo graeca). – Zoo Zoo Biology 31(6): 705-717 oder Abstract-Archiv.

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