Hatt, J. M., M. Kummrow, S. Wenger & M. Clauss (2019): Orchiectomy in Testudo species: technical aspects and effect on courtship behaviour. – The Veterinary record 184(18): vetrec-2018-105095.

Orchiektomie bei Testudoarten: Technische Aspekte und Auswirkungen auf das Balzverhalten.

DOI: 10.1136/vr.105095

Das Balzverhaltensrepertoire bei Landschildkröten beinhaltet Beißen, Rammen, Verfolgen nicht nur von Weibchen, sondern auch zwischen Männchen und dieses Verhalten wird oft exzessiv bei europäischen Landschildkröten die als Haustiere gehalten werden. Die Konsequenz daraus ist, dass Männchen oft einzeln gehalten werden. Um die Auswirkungen einer Kastration auf das exzessive Balzverhalten bei europäischen Landschildkröten, 50 Schildkröten (Testudo graeca, T. hermanni und T. marginata) zu untersuchen wurden ihnen unter endoskopischer Kontrolle die Hoden zwischen April bis September 2013 bis 2017 entfernt. Statistische Analysen wurden in Bezug zur Art, des Körpergewichts, der Hodengröße und in Bezug zur Saison durchgeführt wobei auch die Besitzer der Tiere einen Fragenbogen im Rahmen der Nachbetreuung ausfüllen mussten. Das Körpergewicht der so behandelten Landschildkröten reichte von 334 bis zu 2645 g (Mittelwert: 1056 g) und das Alter reichte von 5 bis zu geschätzten 60 Jahren. Die Hodenlänge schwankte zwischen 1,4 bis 7,0 cm (Mittelwert: 2,7 cm) und das Gewicht von 0,6 g bis zu 12,6 g (Mittelwert: 3,9g). Eine komplette oder teilweise Reduktion des exzessiven Balzverhaltens (das dann eine Gruppenhaltung erlaubte) konnte bei 95% der Besitzer erreicht werden, wobei 59% der Halter angaben, dass diese Reduktion einhergehend mit einer merklichen Verhaltensveränderung innerhalb des ersten Monats nach dem Eingriff zu beobachten war. In Anbetracht der saisonalen Schwankungen bei der Hodengröße ist die beste Zeit für eine Kastration bei männlichen europäischen Landschildkröten die Zeit kurz nach der Winterruhe (April, Mai) wenn die Hoden noch proportional relativ klein sind.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Hier haben wir jetzt schon mal eine Situation wo eine als auch vielerorts im Bestand bedrohte und bei CITES gelistete Tierart die sich in Privathaltung befindet kastriert wird. Wir sprechen hier also von gemanagter Natur oder Wildtierhaltung in Gefangenschaft bei Tieren die andernorts in speziellen Nachzuchtprogrammen zur Wiederauswilderung oder Neuansiedlung vermehrt werden. Sicher können wir aus seuchenhygienischen Gründen keine Tiere so einfach wieder auswildern und dadurch in noch natürlich bestehende Populationen Krankheiten einschleppen, aber wir sollten uns schon im Klaren darüber sein was wir da eigentlich tun und wie nahe wir damit anderen sind bei denen wir oft dem was dort von vielen unter gemanagter Natur verstanden wird skeptisch gegenüber stehen. Ergeben sich daraus auch rechtliche Fragen? Oder gibt es hier schon klare Definitionen und Regeln? Ich glaube nicht, denn ich habe dazu noch nichts lesen können.

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