Golubovic, A., X. Bonnet, S. Djordjevic, M. Djurakic & L. Tomovic (2013): Variations in righting behaviour across Hermann's tortoise populations. – Journal of Zoology 291(1): 69–75.

Unterschiede beim Umkehrverhalten verschiedener Populationen der Griechischen Landschildkröte.

DOI: 10.1111/jzo.12047

Bei terrestrischen Tieren mit harten schützenden Strukturen ist die Fähigkeit, sich nach dem Umdrehen wieder aufzurichten, entscheidend für das Überleben, insbesondere wenn dies unter suboptimalen Temperaturen oder während der Anwesenheit von Raubtieren notwendig wird. Somit nimmt man an, dass dieses Umkehrverhalten einer strengen Selektion unterliegt. Verschiedene Faktoren wie z. B. Körperdimensionen und Körpermasse können die Umkehrfähigkeit beeinflussen. Da die morphologischen Charakteristika zwischen Populationen variieren können, sind Unterschiede bei der Umkehrfähigkeit zwischen den Populationen zu erwarten. Frühere Studien an Landschildkröten wurden immer nur innerhalb ein und derselben Population durchgeführt und konzentrierten sich zudem oft auf Jungtiere, die in Gefangenschaftshaltung aufgezogen wurden, wodurch die Untersuchung von Interpopulationsunterschieden unter natürlichen Voraussetzungen ausgeschlossen wurden. In der vorliegenden Arbeit quantifizierten wir die Umkehrreaktionen bei vier Populationen wild lebender, adulter Landschildkröten. Wir fanden deutliche Unterschiede in Bezug auf den Umdreherfolg zwischen den Populationen und zwischen den Geschlechtern, was vermuten lässt, dass die Umdrehfähigkeit durch Anpassungen an lokale Gegebenheiten beeinflusst wird. Zum Beispiel variierte die Topographie (Steilheit der Hanglagen) jeder untersuchten Lokalität deutlich. Im Allgemeinen zeigte sich, dass Männchen in Bezug auf das Umdrehen im Durchschnitt erfolgreicher waren als Weibchen. Die Körpergröße hatte keinen Einfluss auf den Umdreherfolg bei Männchen, aber größere Weibchen waren dabei weniger erfolgreich als kleinere. Der Umdreherfolg korrelierte positiv mit der Carapaxwölbung (Höhe) und einer möglichst kurzen Brücke (Verbindung Carapax- Plastron).

Kommentar von H.-J. Bidmon

Als eine wesentliche Erkenntnis dieser Studie würde ich die Feststellung ansehen, dass es grundsätzliche Populationsunterschiede gibt, die mit dem Habitat, in dem die Population lebt, korreliert werden können (siehe dazu auch Glubovic et al. 2013, Djordjevic et al. 2013), was ebenfalls auf einen dem Habitat entsprechenden Selektionsdruck verweist. Unter diesem Aspekt wäre wohl dann auch der beobachtete Geschlechtsunterschied zu deuten, denn für rivalisierende Männchen dürfte die Umkehrfähigkeit häufiger und überlebenswichtiger sein als für Weibchen. Zudem scheint die Größe ja bei den Weibchen einen negativen Einfluss auf die deren Umkehrreaktion zu haben. Aber letztendlich stellt sich hier die Frage, sind größere Weibchen allein durch ihre Masse vor dem Umgeworfenwerden durch Artgenossen oder Männchen besser geschützt als kleinere oder geht der durch das Habitat vorgegeben Selektionsdruck so weit, dass die Weibchengröße in bestimmten Habitaten deshalb bestimmte Werte gar nicht übersteigen kann. Dass die Carapaxwölbung auf die Umkehrreaktion einen wesentlichen Einfluss hat, deckt sich mit den mathematischen Erhebungen zur Carapax-Idealform (Domokos & Várkonyi 2007) und deutet gleichzeitig an, dass haltungsbedingte Carapaxdeformationen eben nicht nur Schönheitsfehler darstellen, sondern gerade vor dem Hintergrund einer Wiederauswilderung solcher Exemplare für die Tiere Überlebensnachteile mit sich bringen.

Literatur

Djordjevic, S., L. Tomovic, A. Golubovic, A. Simovic, B. Sterijovski, M. Djurakic & X. Bonnet (2013): Geographic (in-)variability of gender-specific traits in Hermann's tortoise. – Herpetological Journal 23: 67–73 oder Abstract-Archiv.

Domokos, G. & P. L. Várkonyi (2007): Geometry and self-righting of turtles. – Proceedings of the Royal Society of London Series B: Biological Sciences 275 (1630): 11–17 oder Abstract-Archiv.

Golubovic, A., D. Arsovski, R. Ajtic, L. Tomovic & X. Bonnet (2013): Moving in the real world: tortoises take the plunge to cross steep steps. – Biological Journal of the Linnean Society 108: 719–726 oder Abstract-Archiv.

Seitenanfang