Fritz, U., M. Auer, M. A. Chirikova, T. N. Duysebayeva, V. K. Eremchenko, H. G. Kami, R. D. Kashkarov, R. Masroor, Y. Moodley, A. Pindrani, P. Siroky & A. K. Hundsdoerfer (2009): Mitochondrial diversity of the widespread Central Asian steppe tortoise (Testudo horsfieldii Gray, 1844): implications for taxonomy and relocation of confiscated tortoises. – Amphibia-Reptilia 30 (2): 245-257.

Die mitochonriale Diversität bei der weit verbreiteten Zentralasiatischen Steppenschildkröte (Testudo horsfieldii Gray, 1844): Auswirkungen für die Taxonomie und das Auswildern beschlagnahmter Landschildkröten.

Unter Verwendung einer nahezu Verbreitungsgebiet-weiten Probensammlung untersuchten wir die phylogeographische Differenzierung und die Verschiedenheit der mitochondrialen DNS von Testudo horsfieldii, der einzigen Landschildkrötenspezies Zentralasiens. Wir identifizierten drei Haupthaplotypen-Kladen mit einer parapatrischen Verbreitung, die nicht sehr gut mit den drei derzeit anerkannten Subspezies übereinstimmen. Eine Klade ist begrenzt auf das Fergana-Tal und scheint eine bislang übersehene signifikante evolutive Einheit zu repräsentieren. Eine weitere Hauptklade besteht aus einigen größtenteils parapatrisch verteilten Haplotypen, und findet sich im nördlichen und zentralen südlichen Teil des Gesamtverbreitungsgebiets der Art. Die dritte Hauptklade beinhaltet ebenfalls einige parapatrisch verbreitete Haplotypen und wurde in der südöstlichsten Ecke des kaspischen Meeres im Westen über Afghanistan und Pakistan im Osten sowie in zwei mehr nördlichen Lokalitäten des westlichen und süd-östlichen Usbekistan nachgewiesen. Es ist möglich, dass diese Klade auch im östlichen Turkmenistan und im angrenzenden Afghanistan vorkommt, da die zuletzt genannten Gebiete nicht in diese Studie mit eingeschlossen werden konnten. Die generell parapatrische Verbreitung individueller Haplotypen innerhalb der drei Hauptkladen lässt vermuten, dass es zu einer beschleunigten Liniensortierung (Aufteilung) gekommen ist, die entweder durch eingeschränkte Ausbreitungsmöglichkeiten bedingt wird oder auf eiszeitliche Isolation der Mikrorefugien zurückzuführen ist oder aber auf eine Interaktion beider Möglichkeiten zurückzuführen ist. Die lokale Verbreitung endemischer Haplotypen in nördlichen und zentralen Ebenen und in den gebirgigen östlichen und südlichen Teilen des Verbreitungsgebiets unterstützt die Annahme von mehreren existenten Mikrorefugien. Nachweise von Haplotypen distinkter Kladen, die sympatrisch oder in naher geographischer Nachbarschaft vorkommen, sind sehr wahrscheinlich das Ergebnis einer holozänen Erweiterung des Verbreitungsgebiets. In den letzten Jahren wurden Tausende beschlagnahmter Steppenschildkröten ausgewildert. Die hier nachgewiesene mitochondriale Differenzierung liefert ein gutes Hilfsmittel für den Artenschutz anhand dessen die geographische Herkunft beschlagnahmter Vierzehenschildkröten ermittelt werden kann, um geeignete Auswilderungsregionen zu ermitteln.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Sicher eine sinnvolle Möglichkeit für den praktischen Artenschutz, wenn da nicht auch die Gefahren der Übertragung von Krankheitserregern zu berücksichtigen wären, die sich über den Handel verstärkt verbreiten. Allerdings wäre es vielleicht auch einmal für die wirklich interessierten ambitionierten Halter hilfreich zu erfahren, was es denn kosten würde, und ob es schon die Möglichkeit einer Haplotypenidentifizierung für Schildkröten in menschlicher Obhut gibt. Denn auch hier könnte das Wissen um die Herkunft der gehaltenen Schildkröten wesentlich dazu beitragen, die Haltung zu verbessern oder es Zoos und Privathaltern ermöglichen, bestimmte Lokalformen artgerecht zu vermehren. Siehe auch Gaur et al. (2006) und Mandimbihasina et al. (2009).

Literatur

Gaur A., A. Reddy, S. Annapoorni, B. Satyarebala & S. Shivaji (2006): The origin of Indian Star tortoises (Geochelone elegans) based on nuclear and mitochondrial DNA analysis: A story of rescue and repatriation. – Conservation Genetics 7 (2): 231-240 oder SiF 3-2006.

Mandimbihasina, A. R., S. E. Engberg, G. D. Shore, E. Razafimahatratra, H. Tiandray, R. E. Lewis, R. A. Brenneman & E. E. Louis Jr. (2009): Characterization of 20 microsatellite markers in the plowshare tortoise, Astrochelys yniphora. – Conservation Genetics 10 (4): 1085-1088 oder Abstract-Archiv.

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