Fritz, U., M. Barata, S. D. Busack, G. Fritzsch & R. Castilho (2006): Impact of mountain chains, sea straits and peripheral populations on genetic and taxonomic structure of a freshwater turtle, Mauremys leprosa (Reptilia, Testudines, Geoemydidae). – Zoologica Scripta 35 (1): 97-108.

Der Einfluss von Gebirgsketten, Seestraßen und peripheren Populationen auf die genetische und taxonomische Struktur von Süßwasserschildkröten, Mauremys leprosa (Reptilia, Testudines, Geoemydidae)

Mauremys leprosa, die über die Iberische Halbinsel und Nord-west-Afrika verteilt sind, beherbergen zwei Hauptkladen von mt (mitochondrialen) DNS-Haplotypen. Klade A erstreckt sich von Portugal, Spanien bis nach Marokko nördlich des Atlasgebirges. Klade B kommt südlich des Atlasgebirges in Marokko und im östlichen Algerien und Tunesien vor. Allerdings fanden wir auch ein einzelnes Individuum in Marokko nördlich des Atlasgebirges, das der Klade B angehörte. Letzteres könnte einen Genaustausch zwischen den beiden Kladen andeuten. Die phylogenetisch am besten abgegrenzten Haplotypen der Klade A finden sich in Marokko, was darauf hindeutet, dass beide Kladen nordafrikanischen Ursprungs sind. Ein hohes Maß an Diversität innerhalb der Klade A im süd-westlichen Iberien legt die Vermutung nahe, dass es sich hier um ein glaciales Rückzugsgebiet handelt. Andere Regionen innerhalb der iberischen Halbinsel zeigen weit weniger Diversität innerhalb des Haplotyps und wurden wahrscheinlich von der süd-westlichen Region aus nach der Eiszeit wiederbesiedelt. Die meisten der Populationen in Portugal, Spanien und Nordmarokko gehören dem häufigsten Haplotyp der Klade A an, was auf ihre Verbreitung aus dem süd-west-iberischen Rückzugsrefugium heraus über die Strasse von Gibraltar nach Marrokko hinein indiziert. Diese Hypothese stimmt mit demographischen Analysen überein, die eine rasche Zunahme an Klade A-Populationen anzeigen, während sich für die Klade B stationäre, fragmentierte Populationsdaten ergeben. Wir empfehlen die acht morphologisch nur sehr schwach unterscheidbaren Subspezies von M. leprosa auf zwei zu reduzieren, die den entsprechenden mt DNS-Haplotypen zuzuordnen sind: Mauremys l. leprosa (Iberische Halbinsel und Nördliches Marokko) und M. l. saharica (südliches Marokko, östliches Algerien und Tunesien). Periphere Populationen können eine wichtige Rolle für die Evolution von M. leprosa spielen, denn wir konnten endemische Haplotypen innerhalb der Populationen entlang der nördlichen wie auch der südlichen Verbreitungsgrenzen nachweisen. Eine frühere Untersuchung einer anderen westpalearktischen Süßwasserschildkröte (Emys orbicularis) zeigte eine vergleichbare Differenzierung der peripheren Populationen, und die Pylogeographie von Emys orbicularis und Mauremys rivulata unterstreichen den Status von Bergketten als Ausbreitungsbarrieren im Gegensatz zu Seestraßen, was auf Gemeinsamkeiten in Bezug auf die Verbreitungsmuster für westpalearktische Süßwasserschildkröten schließen lässt.

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