Freedberg, S. & D. R. Bowne (2006): Monitoring juveniles across years reveals non-Fisherian sex ratios in a reptile with environmental sex determination. – Evolutionary Ecology Research 8(8): 1499-1510.

Die Beobachtung von Jungtieren über die Jahre zeigt ein dem Fisher-Modell widersprechendes Geschlechterverhältnis bei einem Reptil mit umweltbedingter Geschlechtsausprägung

DOI: None

Frage
Haben Sammelfehler (z. B. das kleinere Geschlecht wird häufig übersehen) einen großen Einfluss auf die Abschätzung des Geschlechterverhältnisses bei Arten mit umweltgesteuerter Geschlechtsausprägung (ESD). Sind diese Fehler dann der alleinige Grund für abweichende Geschlechterverhältnisse bei diesen Arten?

Methoden
Über eine Periode von sechs Jahren studierten wir heranwachsende Zierschildkröten (Chrysemys picta) anhand der Markierungs-Wiederfangmethode in einem Teichkomplex im nördlichen Virginia. Um die Fehler zu vermeiden, die mit den Bestimmungen des primären und Adultgeschlechterverhältnisses assoziiert sind, beobachteten wir die Individuen über mehrere Jahre und bestimmten die geschlechtsspezifischen Fang-Wiederfang- und Überlebensraten.

Chrysemys picta – © Hans-Juergen Bidmon
Zierschildkröte, Chrysemys picta
© Hans-Juergen-Bidmon

Ergebnisse
Wir beobachteten eine signifikante Verschiebung zum weiblichen Geschlecht, die sich weder durch Klimaschwankungen noch durch differentielle Überlebens- bzw. Fangraten, oder durch das unterschiedliche Alter beim Erreichen der Geschlechtsreife erklären ließ.

Schlussfolgerung
Die beobachtete Verschiebung zugunsten des weiblichen Geschlechts lässt sich derzeit durch keines der existierenden Evolutionsmodelle erklären, sie ist aber im Einklang mit der Feststellung, dass die Tiere keine evolutive Anpassung zeigen, um den Verlust an Männchen produzierenden Umweltbedingungen (gemeint Nistplätze) auszugleichen, der durch den Menschen verursacht wird, indem er die Vegetation durch Abholzung und Mahd kurz hält.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine gut konzipierte Studie, die wenn man wirklich ausschließen kann, dass kleinere Männchen mit der gleichen Zuverlässigkeit nachgewiesen werden können wie die größeren Weibchen, klar zeigt, wo auch heute schon die vom Menschen hausgemachten Probleme liegen. Mancherorts braucht man eben nicht einmal mehr auf die Auswirkungen der globalen Erderwärmung zu warten. Abholzung und das Kurzhalten schattenspendender Vegetation scheinen auszureichen, um das Geschlechterverhältnis zu verschieben. Oder ist die Population dahingehend gestört, dass sie sehr schnell wieder anwachsen will, und deshalb gravide Weibchen die bestexponiertesten Sonnenplätze für die Eiablage aufsuchen (siehe: Freedberg & Taylor (2007): Journal of Evolutionary Biology 20(1): 213-220 oder Abstract-Archiv)?

Galerien

 

Seitenanfang