Ferreira-Rodríguez, N., C. Ayres & I. Pardo (2018): Corbicula fluminea (Mollusca: Bivalvia) as a new food resource for native and exotic terrapins occurring in NW Iberian Peninsula: an ex situ experiment. – North-Western Journal of Zoology 14(1): 37-43.

Corbicula fluminea (Mollusca: Bivalvia) als neue Nahrungsressource für einheimische und exotische Wasserschildkröten auf der NW Iberischen-Halbinsel: Ein Ex situ-Experiment.

Invasive Schildkrötenarten haben einen großen Einfluss auf Süßwasserökosyteme wo sie die ohnehin bedrohte Art Emys orbicularis beeinträchtigen. Zusätzlich zu den oft eingeschleppten Mauremys leprosa und Trachemys scripta kommen neue exotische Gattungen wie Graptemys und Sternotherus zunehmend im Freiland vor. Zudem wurden die Gewässer in denen exotische und einheimische Arten zusammen vorkommen von der asiatischen Muschel Corbicula fluminea invasiv besiedelt. In dieser Arbeit untersuchten wir deshalb das Nahrungsspektrum und den Grad der trophischen Nischenüberschneidung für eine einheimische und vier exotische Spezies. Zusätzlich hatten wir das Ziel zu erfassen in welchem Ausmaß einheimische und exotische Schildkröten sich von C. fluminea ernähren. Vergleiche zwischen zwei bekannten E. orbicularis-Populationen wurden dazu verwendet um zu sehen, ob das längerfristige Auftreten von C. fluminea zu einer adaptiven Ernährungsverhaltensanpassung führt. Unsere Ergebnisse lassen vermuten, dass es zu einer Überschneidung im Nahrungsspektrum und zu größeren Bewegungsmusterunterschieden zwischen einheimischen und exotischen Schildkröten kommt wobei die exotischen Arten bessere Ernährungsmöglichkeiten und kompetitive Vorteile haben. In dieser Beziehung steht das opportunistische Verhalten der exotischen Arten im Gegensatz zum Anpassungsmuster der einheimischen Spezies. Basierend auf unseren Befunden diskutieren wir über drei plausible Reaktionen der Schildkröten auf die Invasion von C. fluminea.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Hier gibt es wohl beim Vorhandensein von C. fluminea klare Vorteile für die größeren exotischen Schildkrötenarten. Dabei kann es sogar zu geschlechtsspezifischen Unterschieden kommen (siehe dazu auch Atkinson, 2013; Lindeman, 2006 und die dortigen Kommentare). Warum nun auch M. leprosa schon zu den invasiven Arten in Spanien gezählt werden soll bleibt etwas unklar. Sicher sie breitete sich vor langer Zeit über die iberische Halbinsel aus (Veríssimo et al. 2016) und sie zeigt uns eigentlich auch jetzt noch ihre Ausbreitungspotenz, die ich aber mal ganz unvoreingenommen als etwas Positives betrachten würde (Franch et al., 2015, siehe dazu auch Romero et al., 2014 und den dortigen Kommentar).

Literatur

Atkinson, C. L. (2013): Razor-backed musk turtle (Sternotherus carinatus) diet across a gradient of invasion. – Herpetological Conservation and Biology 8: 561–570 oder Abstract-Archiv.

Franch, M., A. Montori, N. Sillero & G. A. Llorente (2015): Temporal analysis of Mauremys leprosa (Testudines, Geoemydidae) distribution in northeastern Iberia: unusual increase in the distribution of a native species. – Hydrobiologia 757: 129–142 oder Abstract-Archiv.

Lindeman, P. V. (2006): Zebra and Quagga Mussels (Dreissena spp.) and other prey of a Lake Erie population of common map turtles (Emydidae: Graptemys geographica). – Copeia 2006 (2): 268-273 oder Abstract-Archiv.

Romero, D., Báez J. C., Ferri-Yáñez F., Bellido J. J. & R. Real (2014) Modelling favourability for invasive species encroachment to identify areas of native species vulnerability. – Scientific World Journal; DOI: 10.1155/2014/519710 oder SiF 2/2016.

Veríssimo, J., M. Znari, H. Stuckas, U. Fritz, P. Pereira, J. Teixeira, M. Arculeo, F. Marrone, F. Sacco, M. Naimi, C. Kehlmaier & G. Velo-Antón (2016): Pleistocene diversification in Morocco and recent demographic expansion in the Mediterranean pond turtle Mauremys leprosa. – Biological Journal of the Linnean Society, 119: 943–959 oder Abstract-Archiv.

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