Farkas, S. L. & J. Gál (2009): Adenovirus and mycoplasma infection in an ornate box turtle (Terrapene ornata ornata) in Hungary. – Veterinary Microbiology 138(1-2): 169-173.

Adenovirus- und Mykoplasmainfektion bei einer Schmuckdosenschildkröte (Terrapene ornata ornata) in Ungarn

DOI: 10.1016/j.vetmic.2009.03.016

Eine weibliche adulte Schmuck-Dosenschildkröte (Terrapene ornata ornata) wurde mit einer Fettleber für eine virologische Untersuchung in Ungarn eingeliefert. Es fanden sich Anzeichen für eine Infektion mit Adenoviren wie die Degeration von Leberzellen, ebenso vergrößerte Zellkerne und intranukleäre Einschlusskörper in der Lichtmikroskopie. Das Vorhandensein eines Adenovirus wurde später durch die Gewinnung einer Teilsequenz von der adenoviralen DNS-abhängigen DNS-Polymerase bestätigt. Die phylogenetische Analyse zeigte, dass es sich um einen neuen Schildkrötenadenovirus handelte, der sich distinkt von den früher beschriebenen Adenoviren der Reptilien unterscheidet, und der nicht zu einer der bislang festgestellten Gattungen oder Familien der Adenoviridae zuzurechnen ist. Als Bestandteil der Routinediagnostik für Schildkröten wurde auch nach Herpes-, Rana- und Iridoviren zusammen mit Mykoplasmen gesucht. Amplicons wurden generiert mit der normalen Mycoplasmapolymerasekettenreaktion (PCR) zum Nachweis der 16S/23S ribosomalen RNSA (rRNS) (intergenic spacer region), und zum Nachweis des spezifischen Mycoplasma agassizii PCR 16S rRNS Gens. Basierend auf diesen Analysen erwies sich die Teilsequenz des 16S rRNS Gens, des Mycoplasma sp. dieser Schmuck-Dosenschildkröte identisch mit der kürzlich beschriebenen und aus Terrapene carolina carolina isolierten Mycoplasma sp. Somit handelt es sich hier um den Erstnachweis für ein neues Adenovirus bei Schildkröten und für eine Mycoplasma-Infektion bei Schmuck-Dosenschildkröten in Europa.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Ja man kann in Bezug auf diese Infektionskrankheiten nicht vorsichtig genug sein. Zudem sollte man einmal darüber nachdenken, wie risikoreich auch ein Überleben in Gefangenschaft sein kann. Siehe Marschang, R. E., T. Papp, L. Ferretti, S. Hochscheid & F. Bentivegna (2009): Detection and partial characterization of herpesviruses from Egyptian tortoises (Testudo kleinmanni) imported into Italy from Libya. – Journal of Zoo and Wildlife Medicine 40(1): 211-213 oder Abstract-Archiv, Martel A, S. Blahak, H. Vissenaekens & F. Pasmans (2009): Reintroduction of clinically healthy tortoises: the herpesvirus trojan horse. – Journal of Wildlife Diseases 45(1): 218-220 oder Abstract-Archiv. Auch bei Wiederansiedlungsmaßnahmen bzw. Populationsaufstockungen sollte man immer bedenken, dass es eher Zufall ist, dass solch neue Infektionsquellen entdeckt werden und dass sie eigentlich bei den Routineuntersuchungen oft unerkannt bleiben, zumindest wenn noch keine akuten Symptome hervortreten.

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