Ernst, C. H., A. F. Laemmerzahl & J. E. Lovich (2011): Does the „kamaroma“-plastron pattern morph occur in both Philippine subspecies of the turtle Cuora amboinensis? – Proceedings of The Biological Society of Washington 124(4): 259–269.

Kommt das „Kamaroma“-Plastronmuster bei beiden philippinischen Unterarten der Schildkröte, Cuora amboinensis vor?

DOI: 10.2988/11-13.1

Zwei Schildkrötenunterarten von Cuora amboinensis wurden für die philippinischen Inseln beschrieben: C. a. amboinensis und C. a. kamaroma, die primär aufgrund der Carapaxmorphologie und sekundär anhand des Plastronmusters unterschieden werden. Wir überprüften den Nutzen der Panzer- und Postorbital-Streifen-Morphologie, um diese beiden vermeintlichen Taxa zu unterscheiden. Adulte C. amboinensis von den Philippinen wurden untersucht, um die Häufigkeit des Vorkommens von C. a. kamaroma auf den Inseln zu erfassen. Es wurde eine Reihe morphologischer Charakteristika und ein Kriterium, das auf der Postorbitalstreifenausprägung beruhte, gefunden, die sich signifikant zwischen den Unterarten C. a. amboinensis und C. a. kamaroma unterscheiden, und die dazu dienten, die Exemplare der jeweiligen Unterart zuzuordnen. Die Anwendung dieser neuen Charakteristika führte zu Konflikten bezüglich der Unterartzugehörigkeit bei Tieren, die früher nur unter Verwendung des Plastronmusters der Unterart C. kamaroma zugeordnet worden waren. Letzteres wirft wichtige Fragen auf. Unter Verwendung der Carapaxcharakteristika und des Postorbitalstreifenkriteriums wurden 95,2 % der Schildkröten von der Hauptinselkette als C. a. amboinensis identifiziert und nur 4,8 % konnten als C. a. kamaroma charakterisiert werden. Überraschend war, dass die Tiere, die C. a. kamaroma zugeordnet werden konnten, nur von den nördlichen Inseln Babuyan und Luzon stammten und nicht von den Populationen der südlichen Hauptinselkette. Wobei letztere eigentlich die geographisch nächstgelegene Region wäre, von der aus diese Unterart eingewandert sein könnte. Dieser Befund lässt darauf schließen, dass die allgemeine Praxis des Schildkrötenimports zu Nahrungszwecken dazu geführt hat, dass C. a. kamaroma auf die nördlichen Inseln, speziell auf Luzon eingeführt wurde. Schildkröten mit einem kamaroma-ähnlichen Muster oder C. a. amboinensis X C. a. kamaroma-Plastronmuster wurden für den Sulu Archipel und der Busuanga/Palawan-Kette berichtet, und die Exemplare, die wir selbst auf diesen Inseln untersuchen konnten, bestätigten diese Berichte. Somit kann die Frage, ob C. a. kamaroma wirklich auf den Philippinen vorkommt und wenn, wie sich die Vorkommen über die philippinischen Inseln verteilen, derzeit nicht beantwortet werden. Alle Exemplare, die früher anhand ihres Plastronmusters als C. a. kamaroma bestimmt wurden, sollten einer Reevaluation unterzogen werden, wobei die signifikanten Carapax- und Postorbitalstreifencharakteristika, die von Rummler & Fritz, (1991) und in dieser Arbeit beschrieben wurden, Anwendung finden sollten. Philippinische Cuora amboinensis lassen sich nicht allein anhand ihres Plastrons einer Unterart zuordnen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Nun auch wenn es langweilig klingen mag, auch hier wieder der Verweis auf Unterarthybriden eigentlich ohne Notwendigkeit. Haben Schildkröten kein Gespür für die eigene Art? Haben wir hier eine Lebensform vor uns, die als Individuum nicht nur vergleichsweise langlebig ist, sondern sich aus phylogenetischer Perspektive für Langzeitüberleben programmiert evolviert hat? Sollte uns ein 225 Millionenjahre Fossil Rekord nicht nachdenken lassen? Und um es mal zynisch auszudrücken, wenn man sich die Arbeiten von Green et al. (2010) und Schuster et al. (2010) anschaut, muss man da nicht zum Schluss kommen, dass hier ein erfolgreicher „Hybrid“ über den Fortbestand einer andern Evolutionslinie mit Hybridisierungspotential spekuliert?! Siehe auch Kommentar zu Lenzen et al. (2012).

Literatur

Green R. E., J. Krause , A. W. Briggs, T. Maricic, U. Stenzel, M. Kircher, N. Patterson, H. Li, W. Zhai, M. H. Fritz, N. F. Hansen, E. Y. Durand, A. S. Malaspinas, J. D. Jensen, T. Marques-Bonet, C. Alkan, K. Prüfer, M. Meyer, H. A. Burbano, J. M. Good, R. Schultz, A. Aximu-Petri, A. Butthof, B. Höber, B. Höffner, M. Siegemund, A. Weihmann, C. Nusbaum, E. S. Lander, C. Russ, N. Novod, J. Affourtit, M. Egholm, C. Verna, P. Rudan, D. Brajkovic, Z. Kucan, I. Gusic, V. B. Doronichev, L. V. Golovanova, C. Lalueza-Fox, M. de la Rasilla, J. Fortea, A. Rosas, R. W. Schmitz, P. L. Johnson, E. E. Eichler, D. Falush, E. Birney, J. C. Mullikin, M. Slatkin, R. Nielsen J. Kelso, M. Lachmann, D. Reich & S. Pääbo (2010): A draft sequence of the Neandertal genome. – Science 328 (5979): 710–722.

Lenzen, M., D. Moran, K. Kanemoto, B. Foran, L. Lobefaro & A. Geschke (2012): International trade drives biodiversity threats indeveloping nations. – Nature 486: 109–112 oder Abstract-Archiv.

Schuster, S. C., W. Miller, A. Ratan, L. P. Tomsho, B. Giardine, L. R. Kasson, R. S. Harris, D. C. Petersen, F. Zhao, J. Qi, C. Alkan, J. M. Kidd, Y. Sun, D. I. Drautz, P. Bouffard, D. M. Muzny, J. G. Reid, L. V. Nazareth, Q. Wang, R. Burhans, C. Riemer, N. E. Wittekindt, P. Moorjani, E. A. Tindall, C. G. Danko, W. S. Teo, A. M. Buboltz, Z. Zhang, Q. Ma, A. Oosthuysen, A. W. Steenkamp, H. Oostuisen, P. Venter, J. Gajewski, Y. Zhang, B. F. Pugh, K. D. Makova, A. Nekrutenko, E. R. Mardis, N. Patterson, T. H. Pringle, F. Chiaromonte, J. C. Mullikin, van, E. Eichler, R. C. Hardison, R. A. Gibbs, T. T. Harkins & V. M. Hayes (2010): Complete Khoisan and Bantu genomes from southern Africa. – Nature: 463: 943–947.

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