Erb, L. & M. T. Jones (2011): Can Turtle Mortality be reduced in Managed Fields? – Northeastern Naturalist 18: 489–496.

Kann die Mortalitatsrate für Schildkröten auf gemanagten Feldern reduziert werden?

Frühe Sukzessionsstadien in den Habitaten einschließlich landwirtschaftlich genutzter Felder scheinen wichtige Nahrungsgründe und Nistareale für Glyptemys insculpta (Waldbachschildkröten) und Terrapene carolina carolina (Östliche Dosenschildkröte) im Nordosten der USA zu sein. Das Mähen solcher Flächen sowie deren landwirtschaftliche Nutzung können die Mortalitätsrate bei den Schildkröten erhöhen. Wir führten zwei Experimente durch, um das Risiko für die Schildkröten zu untersuchen. Erstens mit unterschiedlichen Mähertypen und zweitens mit unterschiedlichen Messerhöhen, und drittens untersuchten wir die Effekte unterschiedlicher Traktorbereifung. Die Mähmesserhöhe hatte keine signifikanten Auswirkungen auf die Mortalitätsrate, wenn sie auf ≤ 15 cm eingestellt war. Unterschiedliche Mähertypen verursachten unterschiedliche Mortalitätsraten, wobei Sichelmäher im Vergleich zu rotierenden Scheibenmähern und anderen Mähermodellen die Mortalitätsraten um 50 % reduzierten. Allerdings lag die Mortalitätsrate durch das Zerdrücken der Schildkröten durch die Traktorreifen bei fast 46 % und zwar unabhängig vom zusätzlich verwendeten Mähertyp.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Es ist schon erstaunlich, dass selbst die Wiesen- und Feldhabitate sowie Sukzessionshabitate, also brachliegende, ehemalig genutzte Flächen für eine Sumpfschildkröte ähnlich gute Habitatbedingungen bieten wie sie Anadon et al. (2006) für Testudo graeca angeben. Gerade bei letzteren ist es ja wichtig, dass man die Verbuschung und Überwucherung mit Sträuchern und Gebüschen durch Pflegemanagementmaßnahmen verhindert. Wenn man dazu keine Weidetiere wie Ziegen oder Schafe einsetzt (siehe Kommentar zu: Rozylowicz & Popescu 2013) muss man dies zumindest durch regelmäßiges Abmähen verhindern. Insofern liefert diese Studie einen sehr guten Beweis dafür, dass manche im Sinne der Arterhaltung durchgeführten und auf Maschineneinsatz basierende Pflegemaßnahmen eigentlich das Gegenteil erreichen. Denn wenn allein das Befahren der Flächen mit einem Traktor schon dazu führt, dass bis zu 46 % der Schildkröten überfahren werden, dann ist das als dramatisch zu bezeichnen. Hier sind aber nur die toten Schildkröten erfasst worden, und es bleibt unbekannt, wie viele Gelege dabei auch zerdrückt wurden. Hier kann sich jeder vorstellen, wie lange eine Population solche jährlichen Verluste ertragen kann. Hier sollten wir als Europäer uns außerdem Gedanken darüber machen, dass auch in europäischen Naturreservaten, die geschützte Schildkröten beherbergen, innerhalb der im Natura 2000 Programm der EU gelisteten Flächen zum Teil noch intensive Landwirtschaft betrieben wird. Gerade in Ländern wie Bulgarien und Rumänien werden heute viele der ruralen Flächen, die ehemals nur von Hirten und ihren Herden landwirtschaftlich genutzt wurden, mit modernen agrarwirtschaftlichen Bearbeitungstechniken von Agrarkonzernen bearbeitet die zum einen den Hirten und Kleinbauern zunehmend die Lebensgrundlage entziehen, aber zum anderen auch durch ihr Tun zu erheblichen Verlusten bei den eigentlich zu schützenden Populationen beitragen, denn davon sind auch andere Reptilien und bodenbrütende Vögel sowie Kleinsäuger betroffen. Siehe auch: Saumure et al. (2007).

Literatur

Anadon, J. D., A. Gimenez, I. Perez, M. Martinez & M. A. Esteve (2006): Habitat selection by the spur-thighed tortoise Testudo graeca in a multisuccessional landscape: Implications for habitat management. – Biodiversity and Conservation 15 (7): 2287–2299 oder Abstract-Archiv.

Rozylowicz, L. & V. D. Popescu (2013): Habitat selection and movement ecology of eastern Hermann’s tortoises in a rural Romanian landscape. – European Journal of Wildlife Research 59: 47–55 oder Abstract-Archiv.

Saumure, R. A., T. B. Herman & R. D. Titman (2007): Effects of haying and agricultural practices on a declining species: The North American wood turtle, Glyptemys insculpta. – Biological Conservation 135 (4): 565–575 oder Abstract-Archiv.

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