Doody, J. S., A. Georges & J. E. Young (2004): Determinants of reproductive success and offspring sex in a turtle with environmental sex determination. – Biological Journal of the Linnean Society 81(1): 1-16.

Determinanten für den Reproduktionserfolg und für das Geschlecht der Nachkommen bei einer Wasserschildkröte mit umweltgesteuerter Geschlechtsbestimmung

DOI: 10.1111/j.1095-8312.2004.00250.x

Obgleich die mütterlichen Einflüsse eine wichtige Rolle bei der Evolution spielen, wurden sie bislang kaum in einer umfassenden Studie unter natürlichen Bedingungen untersucht. Bei Tieren mit temperaturabhängiger Geschlechtsbestimmung zählen dazu die Nistplatzauswahl, die Wahl der Eiablagezeit, das Geschlecht der Nachkommen und die Schlupfrate. Um diese Fragestellung zu bearbeiten, untersuchten wir drei maternale Faktoren (Nistplatzwahl, Ablagedatum und Nestgrubentiefe) und zwei fitnessabhängige Faktoren (Geschlecht der Schlüpflinge und Schlupfrate) bei der Flussschildkröte Carettochelys insculpta, einer Spezies mit temperaturabhängiger Geschlechtsbestimmung über vier Jahre hinweg. Nestraub und Überschwemmungen waren die bedeutenden Mortalitätsfaktoren für die Embryos aus 191 Nestern. Das Überleben der Embryos war abhängig von beidem, dem Ablagezeitpunkt und der Nistplatzwahl: In einem Jahr, in dem die Eiablage etwas später erfolgte und die Nester in den tiefer gelegenen Uferbereichen gegraben wurden, wurden alle Nester beim kommenden Frühjahrshochwasser überflutet und zerstört. In den anderen Jahren verminderte das frühzeitige Ablegen der Eier die Mortalität durch Überflutung. Allerdings legten die Schildkröten ihre Eier nie an den höchstgelegen Uferbereichen ab, sondern so dicht am Wasser, dass sie im feuchteren Untergrund noch eine gute Nestgrube ausheben konnten. Diese Nestwahl wurde auch noch zusätzlich durch gezielt durchgeführte Feldexperimente belegt. Der wichtigste, geschlechtsbestimmende Faktor, der in 140 untersuchten Gelegen ermittelt werden konnte, war das Ablagedatum, das im Wesentlichen vom Ausmaß der vorhergehenden Regenzeit mitbestimmt wurde. Aus Gelegen, die früh im Jahr abgelegt wurden (Erstgelege der Saison), schlüpften fast ausschließlich Männchen, wohingegen aus den später abgelegten Zweitgelegen fast nur Weibchen schlüpften, da sie bei ansteigenden Sommertemperaturen inkubierten. Begann die Ablagesaison spät, wie 1996, gab es pro Jahr mehr Weibchen oder wie in den anderen Jahren ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis. Trotzdem lag die Wahrscheinlichkeit überflutet zu werden höher für später abgelegte Nester, in denen sich Weibchen entwickelten, als für früh, noch bei höherem Wasserstand angelegte Nester, in denen sich nur männliche oder gerade noch weibliche und männliche Embryonen (ausgeglichenes Geschlechterverhältnis) entwickelten. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass zwei maternale Faktoren, Nistplatzwahl (Höhe) und Ablagezeitpunkt, zur Reproduktionsstrategie von C. insculpta zählen, die als eine Kombination aus natürlicher Selektion, physischer Fitness und phänotypischer Anpassung gewertet werden müssen.

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