Di Girolamo, N., E. Ferlizza, P. Selleri, G. Nardini & G. Isani (2018): Evaluation of point-of-care analysers for blood gas and clinical chemistry in Hermann's tortoises (Testudo hermanni). – Journal of Small Animal Practice 59(11): 704-713.

Die Evaluation von tragbaren (Vorort-) und Laboranalysegeräten zur Messung klinisch-biochemischer und Blutgas-Parameter unter Verwendung von venösen Blutproben aus Griechischen Landschildkröten.

DOI: 10.1111/jsap.12908

Ziel
Unser Ziel war es die Übereinstimmung der Messwerte von tragbaren Analysegeräten (POC) und stationären Laboranalysegeräten zur Bestimmung der biochemischen Blutparameter zu überprüfen, wobei wir venöse Blutproben von Landschildkröten nutzten um damit auch entsprechende Referenzintervalle für Griechische Landschildkröten (Testudo hermanni) zu definieren.

Material und Methoden
Blutproben aus der Jugularvene von 47 Griechischen Landschildkröten wurden paarweise parallel analysiert, zum einen mit einem transportierbaren chemischen Analysator (i-STAT 1, Abaxis) sowie einen tragbaren chemischen Analysator (VetScan VS2, Abaxis) und zum Schluss mit einem entsprechenden stationären Referenzanalysator. Die Agarosegelelectrophorese wurde zudem zur Bestimmung der Albuminkonzentrationen bei 12 Proben eingesetzt. Die Übereinstimmung wurde anhand von Bland-Altman Plots und mittels Regressionsanalysen nach der Passing-Bablok Methode überprüft.

Ergebnisse
Die transportablen Analysatoren zeigten nur eine schwankende (ungefähre) Übereinstimmung mit dem genauen Referenzanalysegerät, wobei konstante und proportionale Abweichungen je nach zu messender Substanz auftraten. Die für Reptilien relevanten Blutparameter wie z. B. ionisiertes Kalzium und Gesamtkalzium zeigten eine noch zu akzeptierende Übereinstimmung. Die Methoden zur Albuminkonzentrationsbestimmung der beiden tragbaren Analysegeräte sowie der Laboranalysator zeigten signifikant höhere Konzentrationen an im Vergleich zur Proteinelektrophorese (genaueste Methode).

Klinische Relevanz
Während die tragbaren POCs sehr vorteilhaft in der Kleintierhaltung einsetzbar sind muss man berücksichtigen, dass sie je nach zu bestimmender Substanz unterschiedliche Messwerte im Vergleich zum Referenzanalysator zeigen. Für einige der Messsubstanzen ist die Vergleichbarkeit der Messwerte nur sehr begrenzt, sodass für jeden tragbaren Analysatortyp eigene Referenzwerte vorher bestimmt werden müssen. Veterinäre sollten aber darüber Bescheid wissen in welcher Größenordnung und in welche Richtung die Werte einer jeden Messsubstanz von den Referenzwerten abweichen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine Studie die vielleicht gerade junge Veterinäre dafür sensibilisieren sollte, dass man Messwerten trotz der Angaben der Gerätehersteller nicht immer trauen kann. Ja und das Hinterfragen solcher Werte ist durchaus angebracht und macht wohl auch das aus was man bei altgedienten Kollegen/innen dann als Berufserfahrung nicht unterschätzen sollte. Zumindest liefert auch diese Arbeit Vergleichswerte die für einige von Interesse sein dürften.

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