Cutuli, G., M. Vannini & S. Fratini (2013): Demographic structure and genetic variability of a population of Testudo hermanni hermanni (Reptilia: Testudines: Testudinidae) from Southern Tuscany (Central Italy): a case of „happy-ending“ uncontrolled reintroduction. – Italian Journal of Zoology 80: 552–559.

Die demographische Struktur und die genetische Variabilität bei einer Population von Testudo hermanni hermanni (Reptilia: Testudines: Testudinidae) in der südlichen Toskana (Zentralitalien): Ein Fall von unkontrollierter Einsetzung mit glücklichem Ausgang.

Testudo hermanni hermanni erfährt im gesamten Verbreitungsgebiet eine zunehmende Bestandsbedrohung. Die Art zeigt nur noch eine zerstückelte Verteilung mit einer kleinen Anzahl von Reliktpopulationen in Spanien, Frankreich und Italien. In dieser Studie untersuchten wir eine Population von T. h. hermanni in der südlichen Toskana (Massa Marittima, Grosseto), die aus einheimischen und eingeführten Individuen besteht (was sich anhand der Markierungsreste am Carapax aus früheren Untersuchungen ergibt). Insgesamt waren 95 % der aufgefundenen Tiere adult und das Geschlechterverhältnis war leicht zugunsten der Weibchen verschoben, was sich aber nicht als signifikant erwies. Die Populationsdichte lag recht hoch im Vergleich zu den anderen italienischen Populationen, allerdings war diese Population durch ausgewilderte Tiere in früheren Jahren verdoppelt worden. Die genetische Analyse, die anhand von sechs polymorphen Mikrosatellitenloci durchgeführt wurde, zeigte ein hohes Maß an genetischer Variabilität und Heterozygosität und zudem ergaben sich keine Anzeichen für Inzucht. Ebenso zeigte sich, dass die ausgewilderten Individuen den gleichen Genotyp zeigten, wie die einheimischen Individuen was nahelegt, dass das Auswilderungsprogramm zu keiner signifikanten Veränderung des natürlich vorhandenen Genpools geführt hatte. Nichtsdestotrotz ist ein Langzeitüberwachungsprogramm für die Population notwendig, um deren Stabilität und Überlebensfähigkeit abzusichern. Zudem sollten unkontrollierte Umsiedlungsaktionen zukünftig unterbleiben, um die genetische Identität dieser Lokalpopulation zu erhalten.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Nun mag man den Autoren Recht geben, dass es Glück war, dass die Population nicht mit völlig unverwandten Tieren aufgestockt worden war. Dennoch denke ich, dass die Feststellung, dass diese Population einen so vitalen Eindruck macht, auch damit zusammenhängen könnte, dass man hier den Genfluss, wenn auch künstlich durch die Aufstockungsmaßnahme hochgehalten hat, und dass man dabei Glück hatte, dass das Habitat noch so intakt war, dass es das verkraften konnte und die Tiere sich stressfrei einfügen konnten. Siehe dazu auch die Kommentare zu Stiebens et al. (2013), Fordham et al. (2007), Bertolero et al. (2007).

Literatur

Bertolero, A., D. Oro, & A. Besnard (2007): Assessing the efficacy of reintroduction programmes by modelling adult survival: the example of Hermann’s tortoise. – Animal Conservation 10 (3): 360–368 oder Abstract-Archiv.

Fordham, D. A., A. Georges & B. W. Brook (2007): Demographic response of snake-necked turtles correlates with indigenous harvest and feral pig predation in tropical northern Australia. – Journal of Animal Ecology 76 (6): 1231–1243 oder Abstract-Archiv.

Stiebens, V.A., S. E. Merino, C. Roder, F. J. Chain, P. L. Lee & C. Eizaguirre (2013): Living on the edge: how philopatry maintains adaptive potential. – Proceedings of the Royal Society, Series B Biological Sciences doi: 10.1098/rspb.2013.0305 oder Abstract-Archiv.

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