Couturier, T., M. Cheylan, A. Bertolero, G. Astruc & A. Besnard (2013): Estimating abundance and population trends when detection is low and highly variable: a comparison of three methods for the Hermann’s tortoise. – The Journal of Wildlife Management 77(3):454–462.

Die Schätzung der Vorkommenshäufigkeit und der Populationstrends bei niedriger und sehr variabler Auffindungsrate: Ein Vergleich von drei Methoden für die Griechische Landschildkröte.

DOI: 10.1002/jwmg.499

Die Erfassung der Populationstrends ist eine Grundlage zur Durchführung adäquater Erhaltungsmaßnahmen. Die Auswahl einer geeigneten Methode zum Überwachen von Tierpopulationen kann schwierig werden, insbesondere wenn es um Tiere handelt, die schwer auszumachen sind, wie Reptilien. In dieser Studie vergleichen wir 3 korrigierte Nachweismethoden zur Erfassung der Vorkommenshäufigkeit (Fang-Wiederfang, Entfernungsprobennahme (Anzahl pro Suchstrecke), und N-Mixtur), die alle genutzt werden, um Populationsgrößen bei der gefährdeten Griechischen Landschildkröte zu erfassen. Wir benutzten dazu einen einzelnen Datensatz der Beobachtung von 432 adulten Landschildkröten, die an 118 Probeorten in den Plaine des Maures des südöstlichen Frankreichs erfolgte. Zudem nutzten wir einen Datensatz über 520 Landschildkrötenbeobachtungen, die auf Radiotelemetriedaten basierten, die bei der Überwachung von 10 adulten Weibchen gesammelt wurden, zur Abschätzung und Modellierung der so genannten Verfügbarkeit (g0), die zur Evaluierung der Entfernungsprobennahme (Beobachtung von Tieren pro zurückgelegter Strecke) benötigt wird. Zur Abschätzung der Fehlerquote für die N-Mixtur- und die Fang-Wiederfang-Methode verwendeten wir Simulationen, die auf unterschiedlichen Werten für die Nachweiswahrscheinlichkeit basierten. Zum Schluss führten wir eine so genannte Poweranalyse (Nachweis zur Aussagekraft einer Methode) durch, um die Genauigkeit zu evaluieren, mit der jede der 3 Methoden Veränderungen in Bezug auf die Abundanz bei der Griechischen Landschildkröte anzeigen würde. Die Abundanzschätzwerte, die wir mit der Entfernungsprobenahme und den N-Mixtur-Modellen erhielten, lagen bei 1,75 und damit 2,19 Mal niedriger als jene Werte, die anhand der Fang-Wiederfang-Methode erhoben wurden. Unsere Ergebnisse zeigten, dass der g0 Wert durch Temperaturschwankungen beeinflusst wurde, und er kann sogar für die gleiche Temperatur an verschiedenen Tagen unterschiedlich sein. Die Simulationen zeigten auch, dass die N-Mixtur-Methode bei Spezies, deren Nachweiswahrscheinlichkeit bei Werten niedriger als 0.5 liegt, keine stabilen Abschätzungen liefert, wohingegen die Abschätzungen anhand der Fang-Wiederfang-Methode relativ unbeeinflusst und fehlerfrei waren. Die Poweranalyse zeigte aber, dass keine der 3 Methoden genau genug war, um sich langsam vollziehende Populationsveränderungen nachzuweisen. Wir empfehlen deshalb, dass man vorsichtig sein sollte und durchaus Sorgfalt walten lassen sollte, wenn es darum geht, das richtige Populationsüberwachungsdesign bei Arten einzuführen, die eine starke Variation bei den Aktivitätsraten zeigen und sich durch eine niedrige Auffindungswahrscheinlichkeit bzw. Nachweiswahrscheinlichkeit auszeichnen. Obwohl die N-Mixtur-Modelle leicht anzuwenden sind, würden wir sie nicht für Situationen empfehlen, wo mit einer niedrigen Nachweiswahrscheinlichkeit gerechnet werden muss, da das Risko für fehlerhafte Schätzwerte gegeben ist. Beim Vergleich der 3 Methoden, die zur Abschätzung der Abundanz bei Landschildkröten eingesetzt werden, sollte die Fang-Wiederfang-Methode zur Abschätzung von Populationstrends bevorzugt werden.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine Arbeit, die darauf aufmerksam macht, welchen Stellenwert die Methodenwahl für die artabhängige Evaluation populationsdemographischer Parameter hat und die zudem aufzeigt, wie so manche anhand dieser Methoden publizierter Daten einzuschätzen sind. Was mir noch aufgefallen ist, ist dass man hier zur Bestimmung des so genannten g0-Werts festgestellt hat, dass dieser temperaturabhängig ist, aber auch trotz gleicher Temperatur an verschiedenen Tagen unterschiedlich liegen kann. Dass der g0-Wert temperaturabhängig ist verwundert für wechselwarme Spezies nicht, da sie bei kühlen Temperaturen inaktiver sind. Allerdings besagt der Befund, dass es auch zu Unterschieden bei verschiedenen Tagen trotz gleicher Temperatur kommt, das Gleiche, was mir gegenüber mal Ivo Ivanchev so ausdrückte, dass es Tage gibt, an denen trotz des Vorkommens beider Arten nur T. graeca und an anderen nur T. hermanni gefunden werden, ohne dass man weiß warum (Bidmon 2013). Vielleicht spielen ja Tageszeit, Lokalität und Luftfeuchte auch noch eine Rolle.

Literatur

Bidmon, H-J. (2013): Schildkröten in den Dünen entlang des Ropotamo: Ein Lebensraum geprägt von ausgiebigem Morgentau zwischen Sand und Eichenlaub. – Schildkröten im Fokus 10(1): 25–34.

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