Carriere, M.-A., G. Bulte & G. Blouin-Demers (2009): Spatial Ecology of Northern Map Turtles (Graptemys geographica) in a Lotic and a Lentic Habitat. – Journal of Herpetology 43 (4): 597-604.

Die räumliche Ökologie der nördlichen Landkartenschildkröte (Graptemys geographica) in einem fließenden und einem stehenden Gewässerhabitat.

Lentische (z.B. Seen) und lotische (z.B. Flüsse) Lebensräume unterscheiden sich bezüglich etlicher biotischer und abiotischer Faktoren wie der Fließgeschwindigkeit des Wassers, der Produktivität, der Temperaturgradienten und der Tiefe. Diese verschiedenen Variablen können dann sehr wichtige Faktoren wie das Geschlecht, die Körpergröße und bestimmte Entwicklungsstadien (juvenil, adult) der Schildkröten beeinflussen bzw. mit ihnen interagieren, wobei sie die räumliche Verteilungsökologie aquatischer Lebewesen wie Wasserschildkröten prägen. Wir benutzten Radiotelemetrie, um die saisonalen Bewegungsmuster und die Größe der Home-Range (Aktionsradien) von juvenilen und adulten Landkarten-Höckerschildkröten (Graptemys geographica) in einem kleinen See und in einem großen Fluss im östlichen Ontario, Kanada zu studieren. Adulte Weibchen legten in den Flusshabitat längere Strecken zurück und zeigten eine größere Home-Range als adulte Weibchen im stehenden Gewässer des Sees. Männchen und juvenile Weibchen zeigten sowohl im Fluss wie auch im See gleiche Bewegungs- und Raumnutzungsmuster. Ein saisonaler Effekt auf das Bewegungsmuster ergab sich nur für die adulten Weibchen im Fluss, wo die Weibchen während der Nistsaison. sehr viel längere Distanzen zurücklegten. Unterschiede bezüglich der Schwimmgeschicklichkeit, die in Bezug zur Körpergröße der Weibchen, die Rückkehr zum eigenen Niststrand oder die Verfügbarkeit von Nistplätzen stehen, sind die potentiellen Faktoren, welche die beobachteten Unterschiede im Bewegungsmuster adulter Weibchen und deren räumlicher Ökologie erklären. Unsere Ergebnisse untermauern die Komplexität der Interaktionsmuster, die die Muster der Raumnutzung bei aquatischen Reptilien beeinflussen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine nette Situationsbeschreibung für diese beiden Populationen an Landkarten-Höckerschildkröten, die zeigen, wie genau man in jedem Fall hinschauen muss. Sicher sind die Tiere in gewisser Weise flexibel und anpassungsfähig, aber für Schutz- und Erhaltungsmanager zeigen die Daten auch, dass kein Weg daran vorbeiführt, für jeden individuellen Lebensraum eine genaue Analyse der Raumnutzung für die jeweiligen Spezies durchzuführen. Gerade diese individuellen Notwendigkeiten zur Datenerfassung für jeden Lebensraum lassen mich oft etwas an den immer häufiger eingesetzten Computermodellen zur Vorhersage der Landschaftsnutzung zweifeln. Solche Studien zeigen uns eigentlich, dass man Biotope nicht so leicht simulieren kann und dass diese technischen Möglichkeiten niemanden davon entbinden, die Daten für jeden individuellen Lebensraum im Freiland vor Ort zu erarbeiten. Denn ohne diese Daten wäre die Simulation solcher Erhaltungsstrategien und Maßnahmen nicht wesentlich mehr wert als eine Prognose für Lottozahlen, und wenn man bedenkt, wie oft man da daneben prognostiziert, sollte es einen dann auch nicht wundern, wenn die Erhaltungsbemühungen scheitern. Siehe Kommentar zu Pedromo et al. (2004).

Literatur

Pedrono, M., L. L. Smith, J. Clobert, M. Massot & F. Sarrazin (2004): Wild-captive metapopulation viability analysis. – Biological Conservation 119: 463-473 oder Abstract-Archiv.

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