Boarman, W. I. (2003): Managing a subsidized predator population: Reducing common raven predation on desert tortoises. – Environmental Management 32: 205-217.

Management einer angefütterten Prädatorpopulation: Reduzierung des Jagddrucks für Wüstenschildkröten durch Raben

Menschliche Siedlungen bringen oft ein unnatürliches Nahrungs- und Wasserangebot für bestimmte einheimische Tierarten mit sich. Die Tiere bevorzugen diese Nahrungsquellen, da sie ständig vorhanden sind und Arten, die diese künstlichen Angebote (z.B. Abfälle, Wasserstellen) nutzen können, vermehren sich stark und dehnen ihr Verbreitungsgebiet aus. Dies geht meist auf Kosten jener Arten, die davon nicht profitieren können oder zu den natürlichen Beutetieren der expandierenden Spezies zählen. In der Mojavewüste profitieren die Raben (Corax corax) von den menschlichen Ansiedlungen und vergrößerten während der vergangenen Jahre zunehmend ihre Bestände. Diese Entwicklung schadete den gefährdeten Schildkrötenbeständen, denn Raben fressen junge Schildkröten (Gopherus agassizii). In dieser Arbeit diskutiere ich Managementstrategien zur Verringerung der Bejagung von Schildkröten durch die Raben. Die Empfehlungen lassen sich in drei Kategorien einteilen: 1. Management der Rabenpopulation durch die Reduzierung des Nahrungsangebots aus menschlichen Siedlungsgebieten; 2. Entfernung von Raben und anderen durch den Menschen angezogene Beutegreifer aus speziellen Schutzzonen für Schildkröten und 3. mittels weiterer wissenschaftlicher Untersuchungen zur Populationsökologie und dem Verhalten der Raben sowie durch die Suche nach weiteren Methoden zur Reduktion des Jagddrucks durch die Vögel. Es wird eine adaptive Vorgehensweise unter wissenschaftlicher Kontrolle vorgeschlagen, um die Effektivität der getroffenen Maßnahmen auch dokumentieren und belegen zu können. Notwendigerweise sollten diese Aktionen nur im Zusammenhang mit weiteren Untersuchungen und Maßnahmen zur Reduzierung der zusätzlich vorhandenen Faktoren, die zum Zusammenbruch der Schildkrötenpopulationen beitragen, erfolgen. Generell sind die beschrieben Möglichkeiten von allgemeinem Interesse für das Management von überhandnehmenden Populationen von Beutegreifern, insbesondere dann, wenn dadurch die Populationen der Beutetiere stark gefährdet werden und zusammenzubrechen drohen.