Bidmon, H.-J. (2019/2020): Zwischen den Jahren in eigener Sache.

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Vorab möchte ich allen Leserinnen und Lesern ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in ein gesundes und schildkrötologisch interessantes Schaltjahr 2020 wünschen.

Für die Zeit zwischen den Jahren habe ich versucht 2 Abstracts zu wählen die zumindest aus meiner Sicht neue und vielleicht auch ungewohnte Perspektiven im Arterhaltungsmanagement aufgreifen und insbesondere den Umgang mit der derzeitigen Situation in China und Südostasien adressieren. Der zweite zukunftsweisende Wissenschaftstrend in der Schildkröten- und Reptilienforschung bezieht sich auf die zunehmende Anerkennung der kognitiven Fähigkeiten unserer Schützlinge die sich auch zunehmend auf das Arterhaltungsmanagement bei Haltung in menschlicher Obhut auswirkt und zukünftig verstärkt auswirken wird (Bidmon, 2019). Sicher dieser hier in 3 neuesten Arbeiten vorgestellte Aspekt ist nicht ganz neu und hat uns schon des Öfteren hier beschäftigt, aber diese Arbeiten zeigen deutlich den zunehmenden Wert von Langzeitfreilandbeobachtungen die hier in den Vordergrund gestellt werden und wie uns unsere eigenen technologischen Weiterentwicklungen helfen diese natürlichen Phänomene zu erfassen und zu verstehen. Zu Letzterem gehört auch wie hier von Lambert et al. (2019) gezeigt eine durchaus sinnvolle retrospektive Betrachtung der Literatur. Ja, und das dritte zukunftsweisende Thema welches hier mit einer Arbeit herausgestellt werden soll bezieht sich auf die insbesondere für die veterinärmedizinische Bestandüberwachung immer wichtiger werdenden Mikrobiomanalysen, die sich nicht nur wie in der aktuellen Arbeit auf das Erkennen multiresistenter Erreger konzentriert, sondern sich in weit größeren Maß auf die Gesunderhaltung und Ernährung beziehen. Wobei man zunehmend erkannt hat welche diagnostischen Vorteile die Mikrobiomanalysen und die Mikrobiomverschiebungen für die Tiergesunderhaltung in menschlicher Obhut bieten. Ich möchte kein Prophet sein, aber auch für die Überwachung von wiederangesiedelten oder ausgewilderten Wildbeständen werden sich Mikrobiomanalysen zukünftig als diagnostisch wertvoll erweisen.
Manche mögen sich auch fragen ob es wirklich sinnvoll ist so viel an Literatur zu zitieren, speziell, wenn sie sich gar nicht direkt auf Schildkröten bezieht, sondern eher die Biodiversität von Pflanzen oder das Verhalten von Insekten adressiert. Ich denke aber, dass wenn man sich als mündiger Bürger ein eignes Bild machen will gehört das dazu! Wir haben viel zulange nur in „Schubladen“ gedacht und neigen auch heute noch sehr oft dazu. Allerdings sieht die Realität anders aus und jeder der oder die sich mit Naturschutz und Arterhaltung befasst wird einsehen müssen, dass auch Schildkröten von Futterpflanzen oder Futterinsekten oder ganz allgemein von Evertebraten abhängig sind. Somit bedeuten Verluste oder Habitatveränderungen bei Pflanzen oder Futtertieren genauso wie beim Mikrobiom zwangsläufig auch Veränderungen für die Tiere die von ihnen leben oder von ihnen abhängig sind. Wir sollten langsam anfangen globaler und umfassender zu denken als in der Vergangenheit, wenn wir nicht als „Krone der Schöpfung“ kläglich an unserer eigenen Unzulänglichkeit und fehlenden Weitsicht scheitern wollen.

In diesem Sinne – Solange wir es schaffen sollten diesen Planeten erlebenswert zu erhalten, solange sollten wir uns am Ablauf natürlicher Zyklen erfreuen können! – Wenn nicht, dann wäre auch die Anhäufung dieses Wissens schon heute nur eine weitere temporäre Episode einer sinn- und ziellosen kosmischen Evolution!

Literatur

Bidmon, H.-J. (2019): Praktisch muss es sein! Ästhetik versus Nutzen und Zielsetzung in der Tierhaltung: Ein mahnender Kommentar zu aktuellen Entwicklungen. – Schildkröten im Fokus 16(3): 12-25.

Lambert, H., G. Carder & N. D'Cruze (2019): Given the Cold Shoulder: A Review of the Scientific Literature for Evidence of Reptile Sentience. – Animals (Basel) 9(10): E821 oder Abstract-Archiv.

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