Bernheim - 2020 - 01

Bernheim, M., S. Livne & U. Shanas (2020): Mediterranean Spur-thighed Tortoises (Testudo graeca) exhibit pre-copulatory behavior particularly under specific experimental setups. – Journal of Ethology 38(3): 355-364.

Mediterrane Maurische Landschildkröten (Testudo graeca) zeigen unter spezifischen experimentellen Zusammenstellungen ein präkopulatorisches Verhalten.

DOI: 10.1007/s10164-020-00657-z ➚

Maurische Landschildkröte, Testudo graeca, – © Hans-Jürgen Bidmon
Maurische Landschildkröte,
Testudo graeca,
© Hans-Jürgen Bidmon

Das präkopulatorische Verhalten von mediterranen Maurischen Landschildkröten (Testudo graeca) wurde kaum untersucht, insbesondere die Voraussetzungen die beschreiben wie sich Männchen und Weibchen überhaupt während der Paarungszeit finden sind fast gänzlich unbekannt. Wir führten dazu Verhaltensexperimente durch um damit das präkopulatorische Verhalten von geschlechtsreifen T. graeca-Männchen und -Weibchen unter seminatürlichen sowie bei restriktiver Gefangenschaftsunterbringung zu analysieren. Wir beobachteten, dass wenn die Weibchen unter sehr eingegrenzten Bedingungen gehalten wurden die Männchen keine Versuche unternahmen ihnen während der Paarungszeit näher zu kommen. Allerdings wenn die Weibchen unter seminatürlichen Bedingungen während der Paarungszeit untergebracht waren, zeigten die Männchen wesentlich mehr Versuche sich ihnen zu nähern indem sie sie olfaktorisch (geruchlich) beschnüffelten, um sie herum patrouillierten und selbst Kletterversuche unternahmen um sich ihnen zu nähern. Zudem zeigten die Männchen die sich frei in ihrem Gehege bewegen konnten und deren Gehege auf einer Seite ohne Sichtkontakt an ein anderes Männchengehege und auf der anderen an ein Weibchengehege angrenzte, eine klare Bevorzugung hin zu dem angrenzenden Weibchengehege. Außerhalb der Paarungszeit konnten wir keine dieser Verhaltensweisen beobachten. Es scheint also so zu sein, dass die Männchen mit Beginn der Paarungszeit die Weibchen mittels geruchlicher Chemo-Orientierung wahrnehmen und lokalisieren, aber die Weibchen ihrerseits tun das nicht. Wir vermuten anhand unserer Befunde, dass eine restriktive (eingeengte) Gefangenschaftsunterbringung der Weibchen das Reproduktionsverhalten bei beiden Geschlechtern unterdrücken kann und zwar einschließlich des präkopulatorischen Suchverhaltens das die Männchen normalerweise im Freiland zeigen. Diese Studie liefert neue Informationen zum Präkopulationsverhalten für diese bedrohte Landschildkröte und sie verweist auf die Notwendigkeit während der Paarungszeit gehaltene T. gracea-Individuen unter seminatürlichen Bedingungen zu halten als sie unter sehr beengten, restriktiven Bedingungen unterzubringen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Die Arbeit ist bezüglich der Unterbringungsbedingungen gut bebildert und dabei wird klar was die Autoren mit einer restriktiven Haltung meinen – Nämlich die Haltung der Weibchen in einer künstlichen Box mit Plastikwänden die nicht viel größer ist als sie selbst. Dabei kann man sich gut vorstellen, dass sie die Situation als so stressig empfinden, dass sie eher Stresshormonsignale aussenden als Sexualhormon wie Östradiol. Letztere wurden dabei von den Autoren für keine der Unterbringungsformen bestimmt. Zudem denke ich, dass die Beobachtung, dass Weibchen nicht aktiv nach Männchen suchen nicht ganz zutreffend ist, denn wie ich zumindest aus eigener Beobachtung für T. hermanni weiß, tun das die Weibchen bis zu vier Jahren nach der letzten Kopulation wirklich nicht, aber ab dem fünften Jahr kann man auch bei ihnen beobachten, dass sie im Frühjahr aktiv nach Männchen suchen und wenn sie keines finden sogar mit der Eiablage aussetzen können. Letzteres lässt wohl darauf schließen, dass ab dem fünften Jahr kaum noch gespeichertes Sperma für eine Befruchtung zur Verfügung steht und sie diesen Umstand wahrscheinlich über eine besondere hormonelle Regelung wahrnehmen und ihr Aktivitäts- und Partnersuchverhalten entsprechend umstellen. Auch eine Beobachtung die wohl während der letzten Jahre zunehmend gemacht werden kann, wenn man die Zucht aufgrund mangelnder Nachfrage reduziert oder für manche Weibchen ganz aussetzt.

Galerien

 


Drucken   E-Mail